Die Bücher in meinem Kopf ...

Es ist wirklich so, wie Dale Carnegie es in “Sorge Dich nicht, lebe!” beschrieb: Die vielen kleinen Käfer bringen den kräftigen Baum zu Fall. Ein so tief sitzender Frust kann nicht durch eine einzelne Begebenheit ausgelöst werden.

Mein größtes Problem war sicher eine unglückliche Berufswahl. Mit der Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bin ich auf eine unkreative Schiene gerate, von der es kein Entrinnen gab; zumindest habe ich es trotz zahlloser Versuche einfach nicht geschafft. Auch gebe ich gern zu, dass in mir stets eine unstillbare Sehnsucht nach Selbständigkeit und Freiheit gegährt hat, die mir das Angestelltendasein sauer werden ließ.

Seit einigen Jahren verspüre ich keine Freude mehr für Irgendetwas, ohne dass ich erklären könnte, woher es kommt. Zugegeben, ich bin ein Eigenbrödler, der es seiner Umgebung gewiss nicht leicht macht, der Partys mit belanglosem Smalltalk hasst und lieber über ungelöste Aufgaben und Probleme nachdenkt. So jemand hat keinen großen Freundeskreis - und was das Schlimmste ist, er vermisst ihn auch nicht. Irgendwann musste ich entdecken, dass ich gar keine Ahnung davon habe, wie man feiert (was ist das überhaupt? Sich besaufen?)

Tatsächlich fühle ich mich müde, ein Leben zugebracht mit unglaublich viel Arbeit - für die ich die Anerkennung vermisse - wirklich vermisse. Natürlich weiß ich, das man Anerkennung verdienen muss. Also: Ich war eben nicht gut genug. Anerkennung? Das klingt nach schnödem Mammon. Was mich aber stets an meine Projekte getrieben hat, war nicht “das schnöde Mammut”, wie ich manchmal zu scherzen pflegte, sondern der Glaube an das jeweilige Projekt, dass es gut und wertvoll ist, anderen Menschen Spaß bereitet, mir selbst natürlich auch.

Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Es sind so viele frustrierende Entwicklungen, die an mir nagen. Allem voran die jetzt allgemeine Erkenntnis (das sehe ich bereits seit zwanzig Jahren so!), dass die demographische Entwicklung einige Generationen um Teile ihrer Rente betrügen wird, weil die Politiker nicht rechtzeitig die Weichen gestellt haben.

Dazu gehört die Ungeheuerlichkeit, dass bis heute keine Regierung -gleich welcher Farblichkeit- einen Abbau der Staatsverschuldung betrieben hat und dies auch heute weniger in Sicht ist, denn je. Da lobt man sich, wenn man die Neuverschuldung mindert - als wenn dies bereits ein Verdienst wäre! Es sind die Staatsausgaben, meine Damen und Herren, die Ausgaben! Wer heute durch die Republik fährt und viele Städte besucht, dem werden irgendwann die wundervollen brandneuen Gebäude mit einem großen roten "A" auffallen - Apotheken sind es jedenfalls nicht! Oder es werden für erkleckliche Summen Mahnstätten errichtet. Als wenn wir sonst keine Probleme hätten. Und über Subventionen ... Genug, genug, Sie wissen wahrscheinlich längst, was ich meine.

Niemand kann auf Dauer mehr ausgeben, als er einnimmt. Aber unser Staat (und das Schlimme ist: fast alle Staaten dieser Welt!) kann es, indem die Lasten auf Folgegenerationen verschoben werden. Auch meine Generation wird um Teile der Rente betrogen werden!

Und dann ist da auch der Fakt (dem sich die meisten Bürger nach meiner Beobachtung gar nicht bewusst sind), dass wir uns seit dem 11.September 2001 im Dritten Weltkrieg befinden: Fundamentalisten versus säkulare Industriestaaten. Das Problem ist so vielschichtig, dass es hoffnungslos erscheint. (In diesem Zusammenhang: Dank an Herrn Münkler für “Die neuen Kriege”, worin er die Mechanismen der Kriegsökonomie darstellt.)
Und dann soll angeblich jeder fünfte Deutsche (!) an die Verschwörungstheorien über den 9/11 glauben? Ich habe mir die Mühe gemacht, mich durch ellenlange Ergüsse dieser Art zu quälen, da eines meiner Hauptthemen ja auch stets kritisches Hinterfragen war. Die Strickmuster sind die altbekannten: Es werden die Argumente so verbogen, wie es gerade in den Kontext passt - und manchmal widersprechen sie sich dabei. Da sind die Terroristen mal zu dumm, um ein so strategisch aufwändiges "Ding" überhaupt hinzubekommen, dann sollen sie an anderer Stelle wiederum nicht so dumm gewesen sein, ein Fahrzeug mit Unterlagen auf dem Flughafenparkplatz zu belassen.
Oder es wird die normale Vebrennungstemperatur von Kerosin der normalen Schmelztemperatur von Stahlträgern gegenüber gestellt, ohne auch nur im geringsten den Additions-, also den Hochofeneffekt zu berücksichtigen. Und schließlich die Referenzen: die einschlägigen Internetseiten referieren gegenseitig, immer hübsch im Kreis herum ... Nein, danke sehr.

Oder andere völlig falsch geführte Diskussionen, zu denen ich mir eine Stellung hier jetzt verkneife. Aber Dank an Andreas Miersch für die in meinen Augen neutrale Offenheit in “Die Feinde des Fortschritts”.
Und auch Dank an Richard Dawkins für “Der entzauberte Regenbogen”. (Eines Tages werden unsere Enkel uns fragen, warum wir eigentlich die effizienteste Energieform aus diffusen Ängsten heraus gebremst haben, anstatt sie weiter zu entwickeln; Sie werden es sehen.)

Diese und viele andere Sachbücher waren von großer Bedeutung für mich. Ich ertappte mich immer wieder dabei zu denken: ist doch schon lange mein Reden! Es ist durchaus meine Weltsicht der Dinge. Wenn Sie also wissen wollen, was ich wirklich denke, so nehmen Sie sich die Zeit für diese Bücher!

Wenn ich überschreibe “Die Bücher in meinem Kopf”, so sind allerdings nicht diese erwähnten Sachbücher gemeint, sondern jene, die ich gerne noch selbst geschrieben hätte, die sich in meinem Kopf befinden. Aber wozu schreiben, wenn die Veröffentlichung nicht klappt?

Für “Pe und Ette” hatte ich Beta-Tester. Besonders wertvoll waren die kritischen, die mich gut kannten und ebenso jene, die mich bis heute (leider) nicht persönlich kennen. Zu den letzgenannten gehören auch “Don Pedro” und seine Frau Doris, die per E-Mail gelesen und erfolgreich kritisiert hatten. Mein Dank an Euch beide!

Besonders habe ich mich über sehr positive Kommentare von Personen gefreut, die in der Buchbranche als Kritiker und Agenten tätig sind. Ein Zitat aus einer E-Mail dieser Quelle kann ich mir hier nicht verkneifen: ”Inzwischen habe ich gelesen. Mit großem Vergnügen und teils lang anhaltenden ergötzlichen Lachphasen. Sehr relaxed, sehr witzig - entspannende, gute Unterhaltungsliteratur, der ich gute Publikationschancen einräume ...

Cover PuE... Cov_PuE.jpg

Tja, und etwa so hätte das Cover für Pe und Ette aussehen können:

Grafik und Illustration: natürlich P.Pauly - wer sonst?

*

In der letzten Zeit arbeitete ich mit vielen unheimlich netten Leuten zusammen in einem namhaften Verlag - in einer unwesentlichen Position, aber auch dies konnte das sprichwörtliche Blatt nicht wenden. Wer jetzt daran denkt, dass dann doch eine Veröffentlichung kein Problem sein dürfte, kennen Sie den Spruch vom Propheten, der im eigenen Land nichts gilt?

Niemand trägt auch nur irgendeine Schuld an den Ereignissen. Denn es kann nur mein eigenes Unvermögen sein, an dem ich verzweifele. Weder habe ich eine vernünftige Berufswahl treffen können, noch gelang es mir, mich richtig zu verkaufen, was in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren eben tödlich ist.

Wie gern hätte ich mich als Schriftsteller durchgesetzt - hätte, könnte, wäre ...