Das KGV ist sicher die am häufigsten genannte Kennzahl, aber es gibt noch eine ganze Reihe weiterer. Eine Auswahl beschreiben wir nachfolgend in Kurzform.
Betafaktor: Betafaktor beschreibt das Risiko einer Aktie. Dieser Faktor liefert einen Anhaltspunkt über die relative Volatilität einer Aktie im Vergleich zu der entsprechenden Branche oder zum Gesamtmarkt. Ein Betafaktor von 1,5 bedeutet, dass der Kurs einer Aktie bei einer Indexveränderung von 10% selbst um 15% nach oben oder unten variiert.
Burnrate: siehe Cash Burn Rate
CAGR: CAGR bedeutet "Compound Annual Growth Rate" und bezeichnet das durchschnittliche Gewinnwachstum eines Unternehmens über mehrere Jahre hinweg. Diese Rate wird zur Berechnung des dynamischen KGV herangezogen.
Cash Burn Rate: Zeitraum, in dem zur Verfügung stehendes Kapital in Ermangelung von Gewinnen verbraucht wird.
Cash-Flow: Dieser beschreibt den Nettozufluß an liquiden Mitteln aus der normalen Geschäftstätigkeit. Der Cash-Flow wird auch definiert als Jahresüberschuß plus Abschreibungen plus langfristige Rückstellungen. Diese Kennzahl gibt Aufschluß darüber, ob das Unternehmen ohne Neuverschuldung Investitionen tätigen kann, ob Überschüsse zur Tilgung alter Verbindlichkeiten oder zur Ausschüttung von Dividende erreicht werden.
CFROI (Cash Flow Return on Investment):
Dabei wird der Gewinn (ausgedrückt als Cash Flow, der Summe aus Jahresüberschuß, Abschreibungen und Veränderungen in den Rückstellungen) bezogen auf das eingesetzte Vermögen nach Anschaffungswerten. Der Unternehmenswert wird somit unabhängig vom Grad der Abschreibungen verglichen.
Deckungsgrad II: (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) geteilt durch Anlagevermögen... zeigt in einer Kennziffer, in welchem Mass das zur Verfügung stehende Gesamtkapital durch Anlagevermögen gedeckt ist.
Dividendenrendite: Dieser Wert ist die Höhe des ausgeschütteten Gewinns im Verhältnis zum Aktienkurs. Einer immer stärkeren Betonung der Kursgewinne steht im Zeitalter des Shareholder Value eine Abnahme der Bedeutung der Dividenden gegenüber, womit auch die Kennziffer Dividendenrendite an Bedeutung verliert.
Dynamischer Verschuldungsgrad: Nettofinanzschulden geteilt durch den Cash Flow des operativen Geschäts... Diese Kennziffer (z.B. 2,5) sagt damit aus, dass der Cash Flow aus 2 und einhalb Jahren benötigt wird, um die Verschuldung komplett zurückzuszahlen (ohne die Berücksichtigung von Zinsen).
Dynamisches KGV: Ein anderer Ausdruck lautet PEGR (Price Earnings to Growth Ratio). Dabei wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis dividiert durch das mehrjährige durchschnittliche Gewinnwachstum (CAGR). Bei einem PEGR von eins gilt die Aktie als fair bewertet, während bei einem Wert darunter der Titel preiswert ist und bei einem Wert darüber als teuer gilt. Diese Kennziffer wir hauptsächlich bei Wachstumswerten angewendet.
EBIT-Marge: Diese gibt Aufschluß über die Rentabilität des Unternehmens. Es wird der Gewinn vor Abzug der zu zahlenden Zinsen und Steuern (earnings bofor interests and taxes) festgestellt.
EBITDA-Marge: Auf Basis der EBIT-Marge werden zusätzlich Abschreibungspositionen eingebracht. Dies kann für Gesellschaften vorteilhaft sein, die z.B. nach einer Übernahme einen hohen Abschreibungsbedarf haben.
EKR - Eigenkapitalrendite: Konzernergebnis geteilt durch Eigenkapital x100. Eine hohe Eigenkapitalrendite kann bedeuten, dass sich das Unternehmen hauptsächlich über Kredite finanziert. Deshalb ist die gleichzeitige Betrachtung der Eigenkapitalquote wichtig, da bei der überwiegenden Fremdfinanzierung Gefahren durch Zinserhöhungen lauern können.
EKQ - Eigenkapitalquote: Das prozentuale Verhältnis des Eigenkapitals zur Bilanzsumme ist Ausdruck der wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität. Je höher die Quote, desto solider die Finanzlage.
EPS (Earnings per Share):
Gewinndarstellung per Aktie
KBV: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis bezieht sich auf den substanziellen Wert einer Aktie. Der Buchwert definiert sich als Vermögen abzüglich der Verbindlichkeiten eines Unternehmens, dividiert durch die Anzahl der Aktien. Das KBV gibt Auskunft darüber, mit welchem Aufschlag das eingesetzte Kapital an der Börse bewertet wird.
KCV: Um das Kurs-Cash-Flow-Verhältnis zu erzeugen, setzt man den Cash-Flow eines Unternehmens ins Verhältnis zu seiner Marktkapitalisierung. Es ist sozusagen ein Maß für die Ertragskraft. Die Aktie ist um so teurer, je höher das Verhältnis ausfällt, und umgekehrt.
KGV: Kurs geteilt durch Gewinn pro Aktie. Es bedeutet gleichzeitig, dass die Gewinne einer entsprechenden Anzahl von Jahren benötigt werden, um das Unternehmen in seiner aktuellen Marktkapitalisierung komplett zu bezahlen.
KUV: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis bietet sich als Bewertungsgrundlage für junge Unternehmen an, die noch keinen Gewinn erwirtschaften. Es wird die Marktkapitalisierung durch die erwarteten Umsatzerlöse geteilt. Es bedeutet gleichzeitig, dass die Umsätze einer entsprechenden Anzahl von Jahren benötigt werden, um die Marktkapitalisierung abzudecken.
Net Gearing: Nettofinanzverschuldung geteilt durch Eigenkapital... stellt als Kennziffer das Verhältnis zwischen der (Netto-) Verschuldung und dem als Deckung bereitstehenden Eigenkapital dar.
Netto-Finanzverschuldung: Kurz- und langfristige Finanzschulden abzüglich der liquiden Mittel... Es wird also der Saldo zwischen der Verschuldung und der zur Verfügung stehenden Liquidität gebildet, der als Vergleichsgrösse im Laufe einer Entwicklung verwendet wird.
PEG-Ratio: Die "Price-Earning to Growth Ratio" setzt das KGV in Relation zum Gewinnwachstum, die Rechtfertigung eines extrem hohen KGV unter der Voraussetzung eines sehr starken Gewinnwachstums (siehe auch Dynamisches KGV).
ROCE (Return On Capital Emloyed):
Der Gewinn wird ins Verhältnis gesetzt zum investierten Kapital auf Buchwertbasis.
Als Möglichkeiten für das Management eines Unternehmens die von Investoren geforderten Wertschaffung zu erreichen, ist die Arbeit an folgenden Kennziffern:
| Vom Konzernergebnis zum Ebitda | |
| Konzernergebnis (in Mio.Euro) | 219 |
| Auf Anteile im Frembesitz entfallender Gewinn/Verlust | 1 |
| Steuern vom Einkommen und Ertrag | 127 |
| Ergebnis vor Ertragssteuern | 347 |
| Finanzergebnis | - 5 |
| Sonstige Aufwendungen und Erträge | - 2 |
| Ergebnis der gewöhnlichen Betriebstätigkeit | 340 |
| Abschreibungen | 52 |
| Ebitda | 392 |
| Vom gewöhnlichen zum Pro-Forma-Ergebnis | |
| Ergebnis der gewöhnlichen Betriebstätigkeit | 340 |
| Kosten der Optionsprogramme LTI und STAR | 41 |
| Rückkauf Aktienoptionen | 1 |
| Gesamtaufwand aus aktienorientierten Vergütungsprogrammen | 42 |
| Akquisitionsbedingte Aufwendungen | 6 |
| Pro-Forma-Ergebnis | 380 |
Die Consultingfirma Arthur Andersen fand im Juni 2000 einen interessanten Ansatz mit der Bezeichnung Value Dynamics. Damit sollen Quellen künftiger Wertschöpfung bewertet werden. Neben dem Realkapital gehören dazu die Mitarbeiter, Kunden- und Lieferantenbeziehungen, strategische Allianzen oder Organisationsstrukturen. Da Motivation von Mitarbeitern von außen schwer erfaßbar ist, wird die Fluktuation und Kosten für Anwerbung und Ausbildung berücksichtigt. Mit einbezogen wird die aus den Bilanzen errechenbare Cash Burn Rate. Den Bilanzen wird ebenfalls entnommen, wofür das an der Börse eingesammelte Kapital eingesetzt wurde.
Dieser Ansatz ist ebenso sinnvoll wie die Wachstumsraten gemessen an den Parametern Cash-Flow, Gewinn (bei fortgeschrittener "Reife" des Unternehmens), Umsatz, Kunden oder Marktanteil. Eine Kombination möglichst vieler dieser Daten ergibt das denkbar beste Bild. Ein Arbeiten mit "Value Dynamics" setzt allerdings erheblich mehr Informationen der Aktiengesellschaften voraus, als dies heute der Fall ist.
Da es eine derartige Fülle von Kennzahlen gibt, ist eine Anregung zum Nachdenken an dieser Stelle sinnvoll. Eine Firma kann einen erheblichen Gewinn trotz eines schlechten operativen Ergebnisses ausweisen, indem einmalige Sondereffekte wie der Verkauf des Tafelsilbers, also ertragreicher Unternehmensteile, bilanziert werden. Wie ist der ausgewiesene Gewinn eines Unternehmens zu bewerten, der auf solche Sondereffekte zurückzuführen ist? Und wie ist dagegen ein relativ stetig fließender Überschuß aus dem laufenden Geschäft (Cash-Flow) zu sehen? Wer sich diese Fragen beantwortet, der wird auch keine Probleme haben, den Stellenwert anderer Kennzahlen richtig einzusetzen.
..........Fortsetzung..........Zurück ..........Themen Börsen-Wissen