Die Verhaltensmuster sind immer die selben. Ist der Markt euphorisch, so werden die Überbewertungen und der nahende Crash beschworen. Bei stagnierendem Markt verweisen die warnenden Stimmen auf die Ruhe vor dem Sturm. In der Baisse tönen die Propheten, dass es noch viel schlimmer kommen kann. Und kaum zeigt sich ein Silberstreif am Horizont, so wird vor der Bärenmarkt-Rallye gewarnt, die dann jäh zum Abbruch führt - und frische Angagements ins Minus drehen lässt.
Eine häufig gestellte Frage der letzten Zeit lautet: Befinden wir uns in einer Bärenmarkt-Rallye? Oder anders formuliert: Wie erkenne ich, ob es sich um eine solche handelt?
Die Antwort ergibt sich auf einfache Weise, wenn wir auf Altmeister André Kostolany hören: Die Frage ist, ob es mehr Papiere gibt als Dummköpfe, oder mehr Dummköpfe als Papiere. Mit den Papieren meinte er natürlich das Volumen der angebotenen Aktien - und die Dummköpfe entsprechen der kaufwilligen Geldmenge der Investoren.
In einer Bärenmarkt-Rallye wird nun ein vorübergehendes Kursfeuerwerkdurch aufkeimend Hoffnung gezündet, für welches schlicht die Anschlussaufträge fehlen, weil die Hoffnungen enttäuscht werden. Enttäuscht wodurch? Durch schwache Ergebnisse der Unternehmen, die plötzlich die zuvor übertriebenen Erwartungen zurückschrauben. Durch mangelnde Zuversicht, aus welchen Gründen auch immer. Und durch Vorsicht, welche die Marktstimmung dominiert.
Aus der Vorsicht resultiert die Ansicht: Ich steige erst ein, wenn ich deutlich sehe, dass der Markt nach oben gedreht hat. Aber wann hat er denn wirklich gedreht? Wenn die breite Masse schon eingestiegen ist und die Kurse nach oben getragen hat? Was heißt oben? Wie weit nach oben? Sicher ist, dass der Maßstab dafür noch nie das war, was “faire Bewertung” der Aktien genannt wird. Denn auch über das “fair” gibt es keinen Konsenz, und wie weit die Bewertungen überschießen liegt allein am Liquiditätspool.
Die richtig Frage muss also lauten: Wie steht es mit den Anschlussaufträgen? Und genau hier sieht es in der gegenwärtigen Situation aus verschiedenen Gründen gut aus. Die aufgestaute Liquidität ist sehr hoch, die stärksten Firmen einer Branche konnten bereits (teilweise überraschend) verbesserte Ergebnisse melden. Hier ist das Glas also halb voll, während bei denjenigen, die auf die noch immer schwachen Daten verwisen, das Glas halb leer ist.
Wir erleben z.Z. aber, dass diese letzte Gruppe offenbar gemerkz hat, dass der Zug längst fährt, denn immer mehr Gelder werden aus den kurfristigen Parkbuchten abgezogen. Noch ist es aber nicht die Mehrheit und wir sind noch lange nicht an dem Punkt, in denen auch die letzten Spargroschen wieder aus der Zuckerdose in den haussierenden Aktienmarkt gepumpt wird.
Eine sich abzeichnende konjunkturelle Vebesserung reicht aus, um die Anschlussaufträge zu provozieren, selbst wenn der Aufschwung sehr begrenzt ist. Genau das ist es, was die Börse zum Frühindikator des Aufschwungs macht, bevor er wirklich eintritt.
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22.8.2003....... Aktuell:
Vergessen Sie Analysten - Alleinstellungsmerkmale!
Wie in guten alten Zeiten werden die Analysen mal wieder den Marktgegebenheiten angepasst. Da werden Kursziele von gestern einfach nach oben revidiert ohne Änderung der Fundamentaldaten und ohne weitere Gewinnschätzungen und man hat den Eindruck, dass Kaufempfehlungen willkürlich gegeben oder zurückgenommen werden. Das alles aus einem Grund: Der Markt läuft davon!
Was aber ist statt dessen von Belang?
Denken Sie doch mal wieder über Alleinstellungsmerkmale von Unternehmen nach ...
Aber der Reihe nach. Wenn in den Wirtschaftsteilen sich jeder dritte Artikel mit der Halbleiter- und damit zusammenhängenden Branchen befasst, dann sollte jeder ahnen können, wie weit das konjunkturtelle Tal durchschritten ist. Natürlich wird es unvermeidliche Warner geben, die auf die schwachen Zahlen von z.B. HP im Computerbereich verweisen. Aber wenn der Trend so richtig läuft, ist es meist fast zu spät. Sie können sicher sein, dass mit einiger Zeitverzögerung aus dem moderierten Inhalt “Halbleiterbranche” der Inhalt “Software” wird, denn die Redakteure werden sich früher oder später darauf besinnen, dass mit neuen Computern auch Software verkauft wird.
Aber bedenken Sie: Die Halbleiterbranche besteht nicht nur aus Computern und Zubehör. Alle Maschinen bis hin zu Haushaltsgeräten werden heutzutage gesteuert - durch Chips und Software. Die Meinungen werden wie früher durch solche Gedankenketten geprägt werden. Und diese Meinungen führen zu entsprechenden Aktienkäufen. Wie aber kann man in dieser wichtigen Phase agieren, um Unsicherheiten zu vermeiden und eine gefestigte eigene Meinung herauszubilden - denn von allen Seiten kommen Signale und Gegensignale (Crashpropheten gibt es immer). Die große Gewinner werden wieder Unternehmen mit Alleinstellungsmerkmalen sein.
Wenn Sie jüngst lesen, dass HP im Computer-Bereich wieder negative Zahlen erwirtschaftet und einen Kostensatz von 20% der Erlöse in diesem Bereich hat, während dieser bei dem Direktvermarkter und Inline-Produzenten Dell bei nur 9,5% liegt (!), dann erkennen Sie schnell, was mit den Alleinstellungsmerkmalen gemeint ist. Andere Computerhersteller müssen mit noch höheren Kosten leben. Das kombinierte Discounter-Direkt-Geschäft ohne Zwischenhandel von Dell ist einfach nicht zu schlagen. Dell hat zum fünften Mal in Folge seinen Marktanteil ausweiten können.
Oder denken Sie an einen gigantischen Weltmarktanteil von über 60% bei Unternehmenssoftware. Auch wenn SAP in der Krise bei stagnierenden Umsätzen Gewinnrückgänge verkraften musste (das traf schließlich alle Marktteilnehmer) - wer könnte bei einer Verbesserung der Lage mehr davon Profitieren, als ein unangefochtener Marktführer? Vorbehalte existieren bei genauer Beobachtung hier in einem “Hätte-könnte-wäre”: Wenn Microsoft ..., wenn Oracle ..., wenn Peoplesoft. Halten wir uns an die Fakten von 17% Umsatzrendite, Dominanz auf dem Weltmarkt und einem stabilen, florierenden Pflegegeschäft für frühere Lizenzverkäufe.
Am 15.1.2002 haben wir laut und deutlich über das Thema "Hype-Ziel" nachgedacht. Das Beispiel war SAP. Wenn Sie die heutige Situation betrachten (August 2003), so sehen Sie, dass wir zwar etwas früh dran waren mit dem Thema, aber dass es in der Zukunft seine Berechtigung haben wird. Denn eins ist sicher: Die nächste Übertreibung kommt bestimmt.
Oder nehmen sie Ebay. Auch wenn der Kurs gemessen an Fundamentalzahlen sehr hoch ist, wer könnte diesem Geschäftsmodell, das den Weltmarkt dominiert und ständige, sichere Privisionen bei permanent steigenden Auktionsumsätzen generiert, das Wasser des Vorsprunges abgraben? Denken sie hier in längeren Zeiträumen! Auch für Microsoft gab es lange vor seinem gigantischen und unaufhaltsamen Kursaufstieg stets nur “Überbewertungen”. Nur sind viele Leute damit reich geworden. Und heute verfügt Microsoft über Cash von 42 Mrd. Dollar, was mehr ist, als der Staatshaushalt so manchen kleinen Staates.
Oder denken Sie daran, wer wohl bei den vernachlässigten Investitionen der vergangenen drei Jahre am meisten davon profitieren könnte, wenn diese nachgeholt werden? Wer, wenn nicht absolute Marktführer? Da brauchen wir nicht unbedingt nur den Server-Bereich mit Cisco anzusehen, wir könnten auch den krass unterbewerteten Weltmarktführer für Maschinen zur Halbleiter-Herstellung Aixtron nehmen und so manche andere Perle aus Nebenbereichen.
In all diesen Fällen sei der uralte Vergleich mit “der Microsoft” dieser oder jener Branche gestattet. Microsoft ist eben zum Synonym für “Alleinstellungsmerkmal” geworden. Denken Sie doch mal wieder (abseits von den widersprüchlichen Tagesmeldungen) über solche Alleinstellungsmerkmale nach ...
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17.8.2003....... Aktuell:
Warum Aktien langfristig attraktiv sind ...
Die Stimmung ist noch mies, die Staatsverschuldung läuft so hoch wie nie zuvor, die Arbeitslosigkeit erscheint unbezwingbar - und der Verteilungskrieg zwischen den Generationen bricht aus.
So hoffnungslos stellt sich derzeit das sich uns bietende Bild. Aber was bedeutet das alles für die Finanzmärkte und für die langfristigen Aussichten? Arbeiten wir Punkt für Punkt ab:
1. Das Löcherstopfen durch Kreditaufnahme und die Staatsverschuldung wird neben dem unbestrietbaren Reformbedarf verstärkt diskutiert werden.
2. Die jüngeren Generationen werden sich wehren und eventuell sogar verweigern.
3. Die betroffenen Staaten werden ein starkes Interesse an extrem niedrigen Zinsen haben, um die Belastung durch den Schuldendienst zu mindern.
4. Kapital wird in genügendem bis überreichlichem Maße zur Verfügung stehen und nach Anlage suchen.
5. Da die Zinsen dirkt oder indirekt entweder durch Inflation geschöpft oder durch realwirtschaftliche Überschüsse erwirtschaftet werden müssen, wird ein niedriges Zinsniveau auch hierdurch begünstigt.
6.Rentenpapire werden an Attraktivität verlieren, während Aktien wieder der Vorzug gegeben wird.
7.Die Notwendigkeit zur Eigenvorsorge wird die jüngeren Generationen ebenfalls in Aktien treiben.
8. Dieser Effekt wird die Entnahme aus dem Liquiditätspool durch die ältere Generation mindern oder eliminieren.
9. Ein Aktienboom ist langfristig trotz rückläufiger Demographie denkbar.
Dies bedeutet nicht, dass damit ein langfristig gleichmäßiger Aufwärtstrend der Kurse ohne Schwankungen vonstatten geht, sondern dass zwischenzeitliche Rückschläge überwunden und in einen langfristigen Aufwärtstrend münden werden.
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28.6.2003....... Aktuell:
Liquidität und Eigenkapital ...
... und deren zweifelhafte Verteilung in der Realwirtschaft sind durch die aktuelle Lage an den Finanzmärkten einmal mehr dokumentiert.
Während sich eine überreichliche Liquidität auf begrenzte Aktienstücke konzentriert (der Rentenmarkt ist “zu” und droht zurückzuschlagen), fehlt die Kapitalausstattung im Mittelstand nach wie vor. Die Zahl der AGs ist nach dem Kapitalboom der 90er Jahre gesunken, die Liquidität weiter angestiegen - auch wenn es aus dem “Liquiditätspool für den Aktienmarkt” weitgehend herausgehalten wurde.
Deutlicher kann man es kaum wahrnehmen als in diesen Tagen: Es fehlen geeignete Beteiligungsinstrumente, die über die Börsen wachsenden Kleinunternehmen und dem Mittelstand Eigenkapital zufließen lassen könnten - bei gleichzeitiger Rechtssicherheit und Transparenz für potenzielle Anleger (Investmentgesellschaften, Fonds). Ein Thema, das nach wie vor viel zu wenig behandelt wird. Also werden wir mit den Folgen der weiter in begrenztem Rahmen zu verteilender Liquidität leben müssen, was für Aktien-Anleger nicht die schlechtesten Aussichten (trotz schwacher Fundamentaldaten) sind.
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18.6.2003....... Aktuell:
Die Liquidität...
Trotz Pessimismus und anhaltender Bedenken wird auch weiterhin hier und dort der Notgroschen zurückgelegt und so mancher “Bestverdiener” parkt auch weiterhin sein nicht verbrauchtes Einkommen in Geldmarktfonds oder auf Tagesgeldkonten. Allein in den USA hat sich das kurzfristig verfügbare Vermögen im Laufe der vergangenen 12 Monate um 18 Prozent ehöht, auf 4,6 Billionen Dollar.
Hinzu kommt eine krasse Unterinvestition von Versicherungen, die durch die Baisse und den damit einher gehenden Wertverfall ihrer Depots zur Liquidation zu Schandpreisen gezwungen waren. Mit dem Hoffnungsschimmer am Horizont kehrt sich deren Situation nun ins Gegenteil, sie können an der Aufwärtsbewegung nur ungenügend teilhaben.
Mit der Kehrtwende werden also unterinvestierte Fonds, Versicherer und Vermögensverwalter gezwungen, auf den Zug aufzuspringen und wenn dieser erst einmal rollt, kann wird auch der letzte Privatinvestor ahnen, dass die eigentliche Wende verpasst wurde. Die “Hausse nährt die Hausse” wird im Nachhinein wieder Gültigkeit bewiesen haben - unabhängig von den (noch) ungenügenden Fundamentaldaten und allgemeinen Bedenken.
André Kostolany wird erneut bestätigt werden: Die Kursentwicklung wird davon bestimmt, ob mehr Papiere als Dummköpfe oder mehr Dummköpfe als Papiere am Markt sind. Und die Liquidität wird den Ausschlag geben, wenn neue Hoffnung keimt.
Und nun die alles entscheidende Frage: wo wird die Hoffnung grünen? Der Mehrheit aller Anleger wird klar werden, dass verschobene Investitionen einen nach wie vor latent vorhandenen Bedarf darstellen. Viele Unternehmen werden wieder in Datentechnik investieren, die Werbung wird in kleinen Portionen hochgefahren werden, Unterhaltung, Film- und Fernsehen werden wieder interessanter werden, denn “das Volk schreit nach Brot und Spielen”. Und die Versicherungsbranche wird durch wieder anziehende Kurse ihrer Portfolios an Wert gewinnen.
Alles in allem werden wir zur Normalität zurückkehren, was irgendwann in ferner Zukunft auch in neuen Hypes enden wird.
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30.5.2003....... Aktuell:
Langfristanlage: Starke Kaufsignale ...
Handelssignale nach Indikatoren - gleich welcher Art- können sich stets auch als Fehlsignale entpuppen. Das Dumme daran ist, dass man dies erst im Nachhinein feststellen kann. Egal ob es sich um Kauf- oder Verkaufsignale handelt, schwingt daher immer ein Unsicherheitspotenzial mit, das nicht auszuschließen ist.
Einer von vielen langfristig angelegten Indikatoren wird durch die Zinsen dargestellt. Genauer: Eine Kombination der Durchschnittsrendite festverzinslicher Rentenpapiere in Deutschland und der Durchschnittszins der amerikanischen 10- und 30-jährigen Anleihen liefert ein Signal, wenn ein Trend über sieben Monate hinweg bestätigt wird. Es wird ein schwaches Signal ausgelöst, wenn nur eine der beiden Hauptmärkte diese Konstanz im Trend aufweist und ein starkes Signal, wenn es von beideen Märkten gleichermaßen eintrifft.
Die Zinsen per 30.5.2003 liefern nunmehr ein starkes Kaufsignal. Klar zu sagen ist, dass es sich hierbei um eine rein langfristige Betrachtungsweise handelt!Das letzte aus dem November und Dezember 2002 wurde durch einfache Signale mehrfach bestätigt. Die bekannte Nachlaufzeit von 6 bis 8 Monaten (bis die Auswirkungen von Zinsmaßnahmen in der Realwirtschaft ankommen) bestätigt das, was die Mehrheit der Finanzfachleute derzeit vermutet, nämlich, dass die Talsohle tatsächlich durchschritten ist.
Auch wenn alle Befragten sich ein Hintertürchen offen halten, indem sie darauf verweisen, dass alles auch ganz anders kommen kann, so spricht doch einiges dafür, dass immer mehr Bereiche der Wirtschaft wieder Tritt fassen. Für langfristig orientierte Anleger dürfte sich der Einstieg wirklich lohnen.
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5.5.2003....... Aktuell:
Selektive Wahrnehmung im Stimmungstief
Das Stimmungstief lässt uns erzittern. Die Flut der Negativmeldungen und die Ignoranz positiven Nachrichten gegenüber hat uns bewogen, im Teil Meinungsbildung die selektive Wahrnehmung noch genauer zu untersuchen.
Die Verschuldung der Deutschen Telekom ist mit rund 65 Milliarden Euro gewaltig. Aber während der Regentschaft des Pessimismus passt eine Faktum ganz und gar nicht in die Wirtschaftspresse: Der Cashflow als die wichtigste Ergebniszahl beträgt über 12 Milliarden.
Das bedeutet, dass die Deutsche Telekom durch das, was im operativen Geschäft tatsächlich übrig bleibt, in 5 Jahren schuldenfrei sein könnte, wenn ...
Das ist natürlich nicht realistisch, denn kein Konzern der Welt könnte 5 Jahre lang auf Investitionen verzichten, um jeden verdienten Cent in den Schuldenabbau zu stecken. Aber darum geht es nicht, sondern um die Bewertungsfrage.
Natürlich wäre es wunderbar, wenn die Verschuldung das zwei bis zweieinhalbfache des Cashflows nicht übersteigen würde. Aber sobald der Weg dahin tatsächlich und für den Aktionär sichtbar beschritten wird, ändert sich die Bewertungslage des Unternehmens.
Selektive Wahrnehmung ist auch das, was wir daraus machen.
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8.4.2003....... Aktuell:
Wer kann den Leerverkäufern die Stirn bieten?
Als Im Irak der Militärschlag gegen Saddam Hussein geführt wurde, schlug des Pendel an den Weltbörsen heftig aus -in beide Richtungen. Leerverkäufe sollen hierbei kräftig mitgewirkt haben. Schlechten Nachrichten (“Das könnte endlos dauern ...”) drückte die Kurse, während gute Nachrichten (“Es läuft doch besser, als zunächst gedacht ...”) für krasse Kehrtwendungen der Kurse sorgten.
So dynamisch waren die Märkte selten. Wenn wir uns in die Lage von Leerverkäufern hineinversetzten (und davon gibt es mehr denn je), so ahnen wir, was passierte. Zunächst beobachten wir also die Leerverkäufe, die mit den schlechten Nachrichten erfolgversprechend aussehen. Aber was passiert im Augenblick des Stimmungsumschwungs?
Natürlich, die Leerverkäufer versuchen glatt zu stellen. Aber was passiert parallel dazu? Daytrader warten auf technische Signale, um einzusteigen. Diese Signale werden (auch) durch Rückkäufe der Leerverkäufer gesetzt. In den Zwang zum Rückkauf (Schadensbegrenzung) mischen sich neue Käufe im Gefolge der technischen Signale hinein. Das heißt, kurzfristig orientierte Spekulanten verknappen die angebotenen Stückzahlen und verteuern damit die Rückkauf-Preise. Sie erhöhen daher das Risiko für Leerverkäufer.
Ein Gedankenspiel lautet: Was passiert, wenn das Volumen von Leerverkäufen immer größer wird? In solchen Spielchen kommt man am schnellsten auf den Punkt, wenn man das Extrem betrachtet. Was also ergibt sich, wenn wir nur noch Leerverkäufer am Markt haben? Dann springen im Falle von schlechten Nachrichten viel mehr auf den abwärtsfahrenden Zug, beschleunigen dessen Talfahrt. Und dann? Was ist nach der Wende? Viel mehr “Shorties” müssen sich eindecken - und die Spekulanten treiben die Preise zusätzlich.
Wenn wir in einer Dauerbaisse nun wesentlich weniger Spekulanten am Markt haben, so wird das Spielchen für Leerverkäufer entsprechend leichter, relativ gesehen. Mit zunehmendem Spekulationsvolumen werden Rückkäufe teurer. Es bleibt dabei: Abgesehen vom sehr langfristigen Auftrieb der Marktbewertungen sind die schwankenden Aktienkurse ein Nullsummenspiel - was der eine gewinnt, muss ein anderer verlieren. Und kurzfrsitige Spekulation ist der Glaube daran, schlauer zu sein als andere. Dem einen geling es, dem anderen eben nicht.
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8.3.2003....... Aktuell:
Deutsche Schnäppchen
Als Michael Schramm (Behrenberg Bank) Anfang der Woche darauf hinwies, das Die Lufthansa nur noch mit dem bilanzierten Wert ihrer Flugzeuge bewertet wird, die HVB und die Commerzbank mit nur noch brund 30 Prozent ihres Wertes, Karstadt nicht einmal den Wert seiner eigenen Immobilien erreicht, dürfte auch dem hinterbänklerischstem Pessimisten klar geworden sein, wie es um die Bewertung der deutschen Aktien aussieht.
Im Durchschnitt kosten die 30 DAX-Titel nur noch 80 Prozent ihres Buchwertes, aber was will schon die günstige Berwertung sagen, wenn keine Käufer im Markt sind und die Psychologie sich von den Fundamentals total abgekoppelt hat.
Damit lässt sich allerdings derzeit auch kaum Hoffnung verbreiten, weil eben niemand mit Sicherheit sagen kann, ob ein Ende des Irak-Konfliktes zu einer psychologischen Wende führen wird. Eher ist anzunehmen, dass ein Zusammenbrechen des Rohölpreises dann den Fakt in das Bewusstsein rücken wird, dass die Industrie wieder durch die sinkenden Energiekosten entlastet wird. Ob dieser Fakt für eine psychologische Wende taugt, ist derweil ebenfalls ungewiss.
Vielleicht wir ein viel unbedeutenderes Ereignis die psychologische Blockade sprengen, wenn z.B. Osma Bin Laden verhaftet werden könnte. Niemand kann sagen, wodurch die Psyche kippen wird, nur eines ist sicher: Irgendwann wird es passieren.
Da wir alle aber nicht sagen können, wann dieser zeitpunkt gekommen ist, können wir nur warten, warten, warten ...
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27.2.2003....... Aktuell:
... zäh wie Honig
Ein Leser schrieb kürzlich:"...Sie können doch nicht ernsthaft von der Hand weisen, dass die Gefahr einer Jahrzehnte langen Baisse besteht. Das Beispiel Japan der Neunzigerjahre zeigt dies doch überdeutlich ..."
Japan befindet sich in anhaltenden Strukturkrisen, die aus massiven Überbewertungen (Schwerpunkt Immobilien und Besicherungsmechanismen) herrührten. Die Situation in den westlichen Industrieländern zeigt sich derzeit völlig anders.
Wir haben an verschiedenen Stellen auf die vorangegangenen und unglücklich überlagerten Innovationszyklen hingewiesen, mit deren Regression wir jetzt zu kämpfen haben. Der springende Punkt ist allerdings die Liquidität, die sich derzeit nicht im Liquiditätspool befindet. Bankenverbände schätzen das Volumen allein in den USA auf rund 3,2 Billionen Dollar. Jeder kann sich selbst leicht ausmalen, was passiert, wenn dieses Geld wieder in den
Liquiditätspool strömt, sei es direkt in Aktien oder über Fonds.
Nur benötigen die Anleger erneut einen Grund der Hoffnung, damit dies geschieht. Und dazu gibt es in einer unsicheren Lage wie jetzt keinen Anlass. Nur wird dies so auf Dauer nicht bleiben. Die Produktivität wächst weiter und nicht erst in zehn Jahren werden die gegenwärtigen Unsicherheiten vergessen sein, weil neue Märkte (neuer und verschobener Bedarf) einfach eine andere Basis bilden werden. Was allerdings stimmt ist, Pessimismus ist zäh wie Honig.
Die (teilweise drastischen) Unterbewertung von Aktien sind schon lange nicht mehr zu übersehen. Aber niemand sieht die Notwendigkeit JETZT einzusteigen. Also dümpeln wir dahin.
Der Extrempessimismus produziert derzeit sogar Extrem-Schnäppchen. Denn wer die Marktstellung einer bestimmten Einzelhandelskette mit einem Umsatzvolumen von 73 Millarden Euro betrachtet, das seit seiner Gründung 1987 in eine solche Dimension herangewachsen ist, und wer dabei auch berücksichtigt wie innovativ dieses Unternehmen in der Belieferung von Restaurants und Hotels ist, der kann nur den Kopf darüber schütteln, dass der Börsenwert dieses Unternehmens innerhalb von wenigen Stunden um fünf Millarden zusammengeschossen wurde. Dies wäre zu normalen Börsenzeiten undenkbar gewesen.
Die Rede ist von Ahold. Selbst wenn unsaubere Bilanzierungen nunmehr zur Revision im Wert von einer halben Millarde führen werden, was wird passieren, nachdem der komplette Vorstand zurückgetreten ist? Ein neuer Vorstand wird aufräumen und die Karte der zweifellos vorhandenen Marktvorteile spielen. Und, ... das Publikum wird vergessen. Aber natürlich nicht in wenigen Wochen oder Monaten. Aber ein wenig Geduld sollte sich bei dem derzeitigen Preis lohnen für ein Unternehmen, das fast 20 Euro wert ist.
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1.2.2003....... Aktuell:
Feindbild Unternehmer ?
Ja, so sind sie halt, die Unternehmer! Sie pressen und prassen - zunächst ihre Arbeitnehmer aus wie Zitronen, und dann gönnen sie sich von dem erwirtschafteten Mehrwert Luxus, von dem der Normalbürger nur träumen kann. Wenn es nun schon zugeht wie im Märchen “Tausendundeine Nacht”, so dürfen wir doch gerne einmal die Frage stellen, wer sind eigentlich “die Unternehmer”? Ist es Rolf Breuer (Deutsche Bank), ist es Ulrich Schumacher (Infineon), Jürgen Schrempp (Daimler-Chrysler) oder etwa Werner Schröter (Bäckerei Schröter). Für alle, die Werner Schröter nicht kennen: Bäckermeister mir zwei Angestellten in Winzfeld, 948 Einwohner.
Sind "die Unternehmer" am Ende ebenso fiktiv wie “die Wirtschaft”? Und wenn ja, über wieviele Personen, die von dem Ausgepressten prassen können, reden wir eigentlich? Wir haben derzeit in Deutschland rund 2,1 Mio. umsatzsteuerfplichtige Firmen, das macht also mindestens 2,1 Mio. Unternehmer. Die Mehrheit dieser Firmen hat allerdings auch Mitinhaber, aktive oder passive Gesellschafter. Wenn wir vorsichtiger Weise davon ausgehen, dass nur an jedem zweiten ein einzelner Mitgesellschafter beteiligt ist (es sind meistens mehrere = + X), so haben wir in der Summe also etwa 3,1 Mio “Auspresser”. Eine Modifizierung des klassisch kommunistischen Grundgedankens (“Niemandem gehört etwas”, weshalb sich auch niemand um den Erhalt der Werte, z.B. von Produktionsanlagen kümmert) könnte ja durchasu lauten “Alles gehört allen”, was kein Bisschen weniger schwammig ist. Auf dem Weg in diese Richtung gibt es nun aber auch das Anteilhaben am Produktivvermögen, wobei heute jeder sogar mit geringsten Beträgen (über Fond-Anteile) mitmischen kann. Mit den derzeit knapp 6 Mio Kleinaktionären ergibt sich also ein Anteil von Unternehmern und Mitunternehmern von 11 Prozent an der deutschen Gesamtbevölkerung (82 Millionen). Wenn wir “Auspresser” und “Ausgepresste” gegenüber stellen wollen, so sollten wir allerdings nicht auf die Gesamtbevölkerung, sondern auf den Anteil von Selbständigen und Angestellten Bezug nehmen (Arbeitende). Sodann kommen wir auf einen Anteil von mehr als 21 Prozent + X Unternehmer und Mitunternehmer.
Und wie ist es eigentlich mit den 4,8 Mio. Angestellten des öffentlichen Dienstes? Sind es hier Bund, Länder und Gemeinden, die auspressen? Wenn wir davon ausgehen, dass diese Arbeitgeber vom Bürgermeister über den Kreisdirektor bis zum Minister nicht zu der Gruppe der Unternehmer gezählt werden sollen, so muss auch der Anteil ihrer Arbeitnehmer herausgerechnet werden. Unabhängig davon, ob wir je nach Datenbasis bei 23 oder 25 Prozent landen, ist der wesentliche Punkt doch, dass die Abgrenzung zu “dem Unternehmer” auf diesem Wege nicht exakt vorgenommen werden kann. Deshalb ist der Sinn dieser Abgrenzung ebenso in Frage zu stellen wie das Feindbild.
Das Zahlenspiel bringt uns also gar nicht so sehr viel weiter, denn die Breuschurempps sind deutlich in der Minderzahl gegenüber den Schröters dieser Republik. Sprechen wir mit Schröters Gesellen und seiner Ladenhilfe, so sieht das Feindbild Unternehmer deutlich anders aus, als wir es aus vielen Publikationen kennen. Auch im Elektronikbetrieb Scheuch nebenan, der einen Nischenmarkt mit fünf Angestellten bedient, sieht es etwas anders aus. Hier weiß jeder der Arbeitnehmer von den schwankenden Auftragseingänge und die Sorge um Anschlussaufträge zu berichten. Und jeder hier versteht, dass der Chef keine zusätzliche, feste Kraft in Spitzenzeiten einstellt, die er in schwachen Zeiten nicht benötigt.
Wie ist es nun mit der Teilhabe am Produktivvermögen? Bei Scheuch würden sich sofort zwei von fünf Angestellten für eine Beteiligung an ihrem kleinen Unternehmen bereit finden wenn dies nur möglich wäre (“Man weiß dann noch besser, wofür man hier arbeitet”). Drei hingegen würden ihren Notgroschen lieber in große DAX-Werte investieren, die als nicht so anfällig gegen die konjunturellen Schwankungen empfunden werden (“So ein kleines Unternehmen ist doch ein Risiko”).
So ist das also mit den Unternehmern und Mitunternehmern, von denen alle gern teilhaben wollen und sollen an dem Kuchen, der da verprasst wird. Wenn da nur nicht diese Sache mit dem Risiko wäre ...
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18.1.2003....... Aktuell:
Zum Beispiel Wirkungsrecherche
Sagt Ihnen der Kobra Effekt*(1) etwas? Sie finden einiges darüber in diesem Forum. Es ist das Paradebeispiel für die Notwendigkeit von methodischer Zielsetzung und Wirkungsrecherche*(2).
Superminister Clement gibt z.Z. ein eindrucksvolles Beispiel Stand Januar 2003) von guten Absichten und Kobra-Effekt. Die zweifellos richtige Entlastung des Mittelstandes bei der angedachten Mindestbesteuerung von Gewinnen soll mit einer Freigrenze bei 500.000 Euro erreicht werden.
Was ist nun das Primärziel? Großunternehmen soll der “Rabgierbahnhof” für Gewinne mit der Mindestbesteuerung genommen werden. Gleichzeitig will man die dringend notwendige Eigenkapitalbildung des Mittelstandes fördern. Beide Gedanken müssen nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand als absolut richtig beurteilt werden. Nur stimmte bisher häufig die Kleinbauernweisheit “Gut gedacht - schlecht gemacht”.
Wir freuen uns schon heute auf einen Gründerboom. Allerdings wird es sich weniger um innovative, frische Jungunternehmen handeln, als vielmehr um Tochtergesellschaften, die als “Tochter GmbH” wie durch Zauberhand Gewinne bis zu 500.000 Euro -und nicht mehr- machen werden!
- - - - - - - *((1)Siebert, Horst, “Der Kobra-Effekt”, Deutsche Verlagsanstalt 2001)
- - - - - - - *((2)Goldratt, Eliyahu M./ Cox, Jeff: “Das Ziel” - Prozeßoptimierung, Campus 2001)
Einen Glückwunsch zum Jahreswechsel an alle, di an dieser Marktpsyche mitgearbeitet haben. Ein donnerndes Halleluja der rasanten Abfahrt in die Weltuntergangsstimmung hinein!
Ach wie logisch, liebe Kollegen, dass die Wirtschaft aufhören wird zu existieren. Und wie sinnig ist auch der Ausblick auf eine ewige Stagnation und wahre Wellen von Weltwirtschaftskrisen!
Prosit, liebe Kollegen, und auf ein Neues, im Neuen Jahr!
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14.12.2002....... Aktuell:
Meinungsbildung:
Warum Tipps nichts taugen können...
Jeder Aktienfachmann kennt die unvermeidliche Frage: “Sie als Fachmann, haben Sie nicht einen Tipp für mich?” Das ist keine Ausnahmesituatuion, das ist Standard. Von der Gier nach Tipps leben schließlich die Finanzmedien. Eine schnelle Antwort, ein Titel zackig in den Raum geworfen, mag eindrucksvoll sein und Punkte auf der Leiter zum Guru bringen, aber sie ist unverantwortlich.
Besser wäre eine Antwort mit Lächeln: “Ich gebe grundsätzlich keine Tipps.” Viel korrekter träfe jedoch eine Antwort wie: “Herzlich gern. Nur zuvor müssten wir erst verschiedene Dinge klären. Dazu gehört nicht nur Ihre Risikobereitschaft, sondern auch Ihrer Vorstellungen über Zukunftserwartungen, Branchen, Zeiträume, Standort in der Konjunktur, im Börsenzyklus... ja und letztlich auch noch die Höhe des einsetzbaren Kapitals. Sehen Sie, und dazu benötigen wir zwei Tage.”
Ein Tipp kann niemals isoliert betrachtet werden. Das zeigt sich spätestens, wenn die vierte Antwortmöglichkeit benutzt wird: “Was für ein Tipp soll es denn sein?” In neunzig Prozent der Fälle folgt dann: “Ein sicherer!”
Aha, es soll ein sicherer Tipp sein! Ein Tipp, der auf keinen Fall verliert also? Ein Tipp, der innerhalb weniger Tage den Einsatz verdoppelt? Dann sollte man lieber ins Spielkasino gehen. Wenn der Fragende eine langfristige Anlage über mehrere Jahre im Sinn hat, was nützt ihm dann ein zugeraunter Titel, dem der Tippgeber aus irgendeinem Grund einen kräftigen Anstieg in den nächsten zwei Monaten zutraut? Er müßte seinen “Klienten” nach dieser Zeit anrufen und ihm raten zu verkaufen, weil dieser nie auf die Idee kommen würde, dass genau jetzt der richtige Moment für den Verkauf ist.
Sandra ist noch jung und verfügt über wenig Geld. Sie hat eher zufällig als Mithörer einen Tipp aufgeschnappt und steckt ihr sauer Erspartes komplett in den genannten Wert. Aber während Sandra nach zwei Tagen gerade den Kaufauftrag gibt, ist bereits der Ausstiegszeitpunkt gekommen. Denn der Tipp war als eine ganz kurzfristige Trading-Chance gegeben worden. Und noch dazu als reine Spekulation, in die man nur einen winzigen Teil seines Vermögens einsetzen würde. Dies setzt natürlich voraus, dass ein entsprechendes Volumen überhaupt vorhanden ist.
Hinter jedem ernst gemeinten Tipp steht eine bestimmte Strategie und eine beschreibbare Zeit- und Zielvorstellung. Es handelt sich um Parameter, die unmittelbar daran geknüpft sind, aber auch von der individuellen Konditionierung des Anlegers mitbestimmt werden. Die Strategie z.B. muss ebenfalls individuell abgestimmt sein, wenn sie Erfolg bringen soll. Der Anleger muss sie von innen heraus tragen können. Er muss sie “leben” können. Dies bedeutet auch, dass er sie versteht und kontrolliert danach handelt. Andernfalls wäre sie eine Worthülse, in der es garantiert zu falschen Handlungen kommt.
Die Frage nach dem Tipp könnte mit einigen Parametern verbunden sein, doch die Erfahrung lehrt, dass der Fragesteller in den allermeisten Fällen nicht die geringste Vorstellung davon hat. Es ist eher eine naive, sorglose Frage, die darauf hindeutet, dass Fragende einfach die Verantwortung abschiebt. Der Tipp-Geber ist schließlich Schuld, wenn die Spekulation oder das Investment fehl schlägt.
Diese naive Frage zeigt aber auch die Ahnungslosigkeit vom Aktiengeschäft. Niemand, der etwas davon versteht würde die Frage in dieser Form stellen, ohne Parameter. Sie ist ebenso sinnlos wie der leise und geheimnisvoll geflüsterte Aktientitel.
Was also sollen Tipps, wenn sie weder aus Sicht des Ahnungslosen, noch aus der des Fachmanns sinnvoll sind? Sie sind überflüssig wie Billardtische in der Kirche. Ganz im Gegensatz zu all der Aufklärungsarbeit, die zu der gefestigten eigenen Meinung führt. Aber die ist eben nicht zwischen Tür und Angel oder am Rande des Partygetümmels zu leisten.
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29.11.2002....... Aktuell:
Finanz-Investition:
Das profitabelste Unternehmen der Welt
Gewinne sind der goldene Schlüssel. Um Gewinne dreht es sich hauptsächlich, wenn Investment-Banker über Fusionen und Akquisitionen nachdenken oder Analysten über Bewertungen grübeln.
Bewertungen und Gewinne gehören hier untrennbar zusammen, so wie Baum und Holz oder Fluss und Flussbett. Das eine geht nicht ohne das andere, und Bewertungen hängen von der zu erwartenden oder bereits bewiesenen Profitabilität ab. Wer sich bereits mit unserem ausführlichen Abschnitt “Bewertungen” beschäftigt hat, ist mit den Zusammenhängen bestens vertraut.
Wenn also alles an der Profitabilität hängt, direkt oder indirekt, so könnte für einen Investor nichts Besseres passieren, als dass die Marktpsychologie das mit Abstand profitabelste Unternehmen der eine Zeit lang viel zu niedrig bewertet.
Was ist das herausragende Merkmal, das sich aus der hohen Profitabilität ergibt? Es ist schlicht und ergreifend die Menge des Geldes, das aus den Überschüssen des operativen Geschäftes generiert wird. Damit ist jedes wirklich gut verdienende Unternehmen seinen nur durchschnittlichen Konkurrenten überlegen. Die finanzielle Schlagkraft für sinnvolle Investition, Prozess-Optimierungen oder auch Marketing und Werbung gewährt einen Spielraum, dem kein anderes Unternehmen folgen kann.
Die Rede ist von einem amerikanischen Konzern, der mit seinen 8600 Mitarbeitern in 43 deutschen Tochtergesellschaften rund 6,8 Millarden Euro umsetzt und damit hinter General Motors (Opel), Ford und Exxon (Esso) der viertgrößte US-Konzern in Deutschland ist: Genral Electric, kurz GE genannt.
“Dji-ie” fährt als weit verzweigter Mischkonzern mit seinen unüberschaubaren Sparten von Medizintechnik und Industriediamanten (1982: Weltmarktanteil ca. 45 %, der sich bis heute nur unwesentlich verändert haben dürfte) bis zum Flugzeugleasing Jahr für Jahr konstante Gewinne in einer Größenordnung ein, die jeden weiteren Konzernlenker vor Neid erblassen lassen: Über 12 Millarden US$ Reingewinn! Die Steigerungen sind moderat aber gleichmäßig. Schauen wir uns die dritten Quartale der letzten drei Jahre an:
| 2000 | 3,18 Mrd. US $ |
| 2001 | 3,28 Mrd. US $ |
| 2002 | 4,1 Mrd. US $ |
Es ist nur normal, wenn in der Vielzahl der Sparten stets und ständig auch “Not leidende” Bereiche zu finden sind, die aufgrund der konjunkturellen Entwicklung besonders betroffen sind. Wenn sich die öffentliche Diskussion nun auf diese Bereiche stürzt und dabei alles andere Potenzial vernachlässigt, so ist der Zeitpunkt zum Einstieg unzweifelhaft gekommen. Sicherer kann man mit Investitionen kaum gutes Geld verdienen.
Aber: Vertrauen Sie uns nicht! Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil, hinterfragen Sie alles... auch die vielen miesepetrigen Analysen!
/ -FK-
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23.11.2002....... Aktuell:
Zur Lage an den Finanzmärkten:
Die Gewinner nach der Krise
Stellen Sie sich vor: Sie sind Mitglied des Vorstandes der X-AG. Sie haben maßgeblich daran mitzuarbeiten, wie Ihr Unternehmen diese schwierige Phase meistert. Kein Zweifel, je nach Einfallsreichtum und Qualität Ihrer Berater werden Sie Maßnahmen ergreifen.
Wenn Sie es geschafft haben, auf diesem Wege das Konjunkturtal durchschritten zu haben, so sind Sie glimpflich davongekommen, Ihre Marktposition hat sich gefestigt, Ihre Kosten sind in vielen Bereichen gesenkt und der Ausblick wird Ihnen die Freudentränen in die Augen treiben. Denn das Konjunkturloch währt nicht ewig...
Ihr Unternehmen wird zu den Gewinnern gehören. Und jene, die das Kind nicht so erfolgreich geschaukelt haben, werden weiterhin auf hohen Kosten sitzen und mit einer abbröckelnden Marktposition zu kämpfen haben.
In Zeiten der Konjunkturschwäche werden alle Leichen in die Bilanzen gepackt, die Analysten erwarten ohnehin das Schlimmste. Auf diese Weise kann bereinigt und mit einer relativ frischen Weste die Zukunft angepackt werden.
Wir haben uns hier lange und ausführlich speziell mit den Themen der “Konjunktur- und Innovationszyklen” beschäftigt. Auch gibt es hinreichend Stoff zum Nachdenken in der “Evolutorisch Ökonomischen Sichtweise”.
Wenn Sie also an den Börsen Erfolg haben wollen, so sollten Sie sich mit genau diesen Gewinnern auseinander setzen. Denken Sie an die psychologisch absolut miese Stimmung, in der alles grau in grau gesehen wird. Suchen Sie deshalb nach den nicht erwähnten positiven Aspekten gerad bei den extrem negativ bedachten Firmen. Hier lauert das größte Gewinnpotenzial, wenn die Krise sich dem Ende nähert. Hinterfragen Sie alle Meldungen kritisch! Bei der Meinungsbildung helfen wir mit unserem entsprechenden Forum-Teil...
Nutzen Sie die Chance des neuen Aufschwungs!
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9.11.2002....... Aktuell:
Zur Lage an den Finanzmärkten:
Wirtschaft und Börse - eine Hassliebe
Die derzeitigen Schlagzeilen versuchen die desolate Lage an den Finanzmärkten mit den (schlechten) wirtschaftlichen Aussichten zu erklären. “Die Wirtschaft ist die Basis der Börse” und ähnliche Formulierungen assoziieren:
Aktienkurse=Wirtschaftslage und Noch schlechtere Konjunkturdaten=noch niedrigere Kurse.
Das ist schlichter Unsinn, auch wenn unzweifelhaft die Wirtschaft die Ausgangsbasis für alles Denken und Handeln bei Finanzengagements bildet. Dies scheint sich zu widersprechen? Nein! Vergessen wird der große Hebel: Die Psychologie. Erst dieser Hebel macht aus den fundamentalen Wirtschaftsdaten Kurse. Und dies geschieht nach einem völlig anderen Muster, als die obigen Assoziationen glauben machen.
Wer sich unser Essey “Geldumlauf” angesehen hat, der weiß bereits, was pasiert, wenn eine oder mehrere Gruppen der Marktteilnehemer Geld zurück hält - aus welchen Gründen auch immer. Diese Zurückhaltung ist die Basis der Psychologie sowohl an den Finanzmärkten als auch in der Realwirtschaft.
Viele Interessengruppen kochen mit ihrer Argumentation zusätzlich ihr Süppchen, um an zinsgünstiges Geld zu gelangen: Sie fordern (sicher zurecht) Zinssenkungen in Europa. Die Nutzung dieses billigen Geldes hat jedoch nur Sinn, wenn es Rendite abwirft, denn wir haben in “Woher kommen die Zinsen?” deutlich gemacht, dass Zinserträge nicht vom Himmel fallen, sondern von der Realwirtschaft generiert werden müssen. Daraus folgt zweierlei: Niedrige Zinsen müssen allein schon deshalb her, weil die Realwirtschaft auf den Brustwarzen geht und z.Z. entsprechend leistungsschwach ist. Zweitens aber muss die Psychologie Investitionswillen zulassen, das heißt, der Zeitpunkt für Zinssenkungen ist optimal, wenn wieder ein Hoffnungsschimmer am Horizont wahrgenommen wird.
Wie aber verhält es sich nun derzeit mit diesem Hoffnungsschimmer?
Der Schock an den Märkten sitzt immer noch tief.
1. - Positive Nachrichten werden auch weiterhin ignoriert.
2. - Viele Großunternehmen (jetzt sogar Cisco) meldeten überraschend gute Zahlen (gemesssen an Krise und Erwartungen).
3. - Der latent inzwischen vorhandene Nachholbedarf durch verschobene oder stornierte Investitionen wird immer dringlicher.
Zu Punkt drei zeigt sich die Chip-Branche als bestes Beispiel. Es führt kein Weg an Wachstum durch Einsatz von Elektronik vorbei - trotz aller Überkapazitäten. Auch wenn der im Dezember 2001 vorausgesagten Branchenumsatz (Quelle: SEMI, Semi Conductor Equipment and Materials International) einen Knick bekommen hat, der Trend wird nach Abarbeitung der Einbrüche weiter gehen:
| 2000 | 47,7 |
| 2001 | 29,6 |
| 2002e | 28,7 |
| 2003e | 37,3 |
| 2004e | 44,5 |
Daraus folgt: Immer mehr Marktteilnehmer werden in der nächsten Zeit erkennen müssen, dass doch einen Hoffnungsschimmer in der Realwirtschaft gibt. Diese Stimmungsverbesserung wird auch für einen Anschub der Investitionen sorgen. Die Stimmung wird schließlich kippen. Und die Börsen werden es vorweg nehmen.
Wer an den Börsen Erfolg haben will, muss bereit sein, sich mit Wirtschaftsthemen auseinander zu setzen. Wem dies zuwider ist, der sollte die Finger von Aktien lassen.
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10.9.2002....... Aktuell:
Wenn die Konjunktur lahmt...
... kann die Mehrheit sich nie vorstellen, was eigentlich den neuen Anstieg hervorrufen sollte. Die Zündmechanismen liegen im Dunklen, die Psychologie verschließt die Tür in die Zukunft.
Wenn die Konjunktur lahmt...
...bedeutet dies noch lange nicht, dass jeglicher Bedarf versiegt. Niemand von uns kann auf sein Brötchen, seine Energie für den Haushalt und auch nicht auf seine dringenden Medikamente verzichten. Die Miete wird automatisch abgebucht. Was aber tut der Durchschnittsverbraucher in der Phase der hoffnungslosen Psychologie statt dessen?
Er verschiebt alles, was nicht unbedingt sofort angeschafft werden muss. Das Auto als einer der größeren Investitionsbrocken muss einfach noch etwas länger durchhalten, frisches elektronisches “Spielzeug”, immer wieder beliebt, kann “Mann” sich auch ganz gut verkneifen, wenn es denn unbedingt sein muss. Ein Bereich allerdings hat in solchen Situationen wirklich ganz schlechte Karten, und aus vielen Wirtschaftsteilen vernahmen wir jüngst das nicht zu überhörende Stöhnen einer Branche, die in den letzten 15 Jahren unglaublich viel Verkaufsfläche neu generiert hat. Ein Stuhl, Bett oder Schrank sind selten so verschlissen, dass sie nicht noch wesentlich älter werden könnten, ohne die Nutzbarkeit einzubüßen.
Aber dennoch: Je länger die Konsumverweigerung zwischen Möbel, Textil und Auto anhält, desto mehr steigt der latente Bedarf. Jede Verschiebung gerät unweigerlich auf der Zeitstrecke in die Metamorphose zur Notwendigkeit. Es ist ein Wandel von “kann” zu “muss”. In den Unternehmen ist es keinen Deut anders. Die leichte Finanzierung der neunziger Jahre hat zu Ausgaben der “leichten Hand” geführt. Die nun erzwungene Gegenreaktion mit all den Sparzwängen fördert auch hier eines: Den unweigerlichen Anstieg von latentem Bedarf, der immer dringlicher wird.
Hier wird ein fester Grundstein für den erneuten Aufschwung gelegt, der -zugegebener Maßen- lange nicht so kräftig ausfallen muss, wie in den Neunzigern. Die permanenten Hinweise der Volkswirte darauf, dass sich ein Boom wie in der letzten Dekade nicht so schnell wiederholen wird, ist das Abbild des Gesundungsprozesses auf der Basis des rabenschwarzen Pessimismus. Wer sich schon lange nichts mehr gegönnt hat, wird sich dem Heranwachsen neuer Wünsche kaum erwehren können, wenn der anfangs unterschätzte Euro-Schock verdaut ist. Aber auch das benötigt Zeit, die ja bekanntlich alle Wunden heilt.
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5.9.2002....... Aktuell:
Anpassung an wirtschaftliche Evolution: Bilanzierung
Die Diskussion darüber, ob Aktienoptionen in der Bilanz als Personalkosten auftauchen sollen und die erschreckte Gegenposition, dass wir dann ja mit geringeren Gewinnen bei unseren Superstars zu rechnen hätten ist ein Witz. Gewinne werden nicht besser oder schlechter, wenn wir sie falsch darstellen.
Bei der Bilanzierung ging es schon seit Erfindung der Baumwurzel um die möglichst genaue und korrekte Darstellung von Firmenwerten und Ergebnissen. Dass die Abgrenzung schon immer schwierig war und aufgrund komplizierterer Steuern, Abschreibungsregeln, Subventionen und Finanzinstrumente immer komplexer gewordener ist, kann nicht entschuldigend vorgeschoben werden. Natürlich müssen Kosten als solche verbucht werden, und was könnten Aktienoptionen anderes sein als Personalkosten? Es steht ganz außer Frage, dass Bilanzierungsregeln immer weiter in die Richtung der wahrhaften Abbildung verbessert werden müssen.
Der unsinnige Vorbehalt mit Wink auf die fallenden Gewinne hat die Angst zum Vater, dass die gewohnten Bewertungen der Aktien durcheinander geraten könnten. Nur erstens richten sich Aktienkurse nicht nach den Bewertungen, dem Spielball der Volkswirte, sondern allein danach, ob mehr Papiere oder mehr Geld auf die Märkte drückt. Und zweitens: Selbst wenn die Bewertungen erheblich abweichen, so wäre besser heute als morgen das Spiel mit gezinkten Karten zu beenden. Wonach sollten wir uns richten, wenn nicht nach wahrhaftigen Bilanzen? Und Wahrhaftigkeit hat alle Aspekte zu beinhalten: den Status des operativen Geschäftes, den Cashflow, die Finanzaktivitäten, und die Werte, die abgeschrieben werden müssen, auch wenn es noch so weh tut.
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13.8.2002....... Aktuell:
Was tun in der Baisse?
Stop-Loss-Marke heißt das Gebot der Stunde! Wer Geld im kurz- bis mittelfristigen Bereich verdienen möchte und glaubt, aussichtsreiche Chancen dafür zu entdecken, der sollte zuvor seine Geld-Risiko-Strategie genau festlegen. Eine gefestigte Vorstellung (nicht nur über die Chancen) besonders über die dazugehörigen Risiken gehört dazu. Die Begrenzung des Risikos muss durch brutal enge Stopkurse erfolgen, die es um jeden Preis und losgelöst von jeglicher Gefühlslage einzuhalten gilt. ( Siehe Geld-Risiko-Management )
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7.8.2002....... Aktuell:
Die Reflexivität der Finanzmärkte
Die meisten Befragten glauben, dass die Ereignisse an den Finanzmärkten durch die Realwirtschaft bestimmt werden. Nur wenige nehmen das Gegenteil an, aber kaum jemand glaubt, dass umgekehrt die Finanzmärkte wesentlichen Einfluss auf die Realwirtschaft nehmen. Gerade aber die gegenwärtige Situation in der Baisse 2001/2002 belegt deutlich das Gegenteil.
In den Naturwissenschaften ist die Beziehung zwischen Beobachter und Objekt einseitig. Forscher und Wissenschaftler gründen ihre Arbeiten auf Wissen, das sich als logisch wahr erweist, wenn die festgestellten Tatsachen die aufgestellten Theorien bestätigen, andernfalls als unwahr.
Für Marktteilnehmer gibt es kein wahr oder unwahr, sondern eine Entwicklung, die jeder von ihnen zu einem kleinen Teil mitgestaltet. Sie stützen sich allenfalls auf Wissen über Vergangenheitsdaten, entscheiden aber aufgrund von Erwartungen an die Zukunft. Über die Zukunft gibt es kein Wissen, sondern Vermutungen und Einschätzungen. Diese Tatsache unterscheidet Wissenschaft und Marktgeschehen und trennt letztlich beide Felder unüberbrückbar. Die kollektive Gestaltung des Marktes entscheidet also über seine Entwicklung mit, so dass jedes Wirtschaftssubjekt mit seiner auf die Zukunft gerichteten zielgerichteten rationalen Verhaltensweise diese Zukunft selbst mitbestimmt.
Die Vorurteile der Marktteilnehmer werden dabei bestätigt, der laufende Trend wird verstärkt. Die Konjunktur wird bei Einbrüchen weiter geschwächt und die starke Konjuntur mündet in Euphorie und im Extremfall in einen Hype (rationaler Überschwang). Der gesamte Ablauf ist der Prozess einer reflexiven Rückkopplung. Es ist die Reflexivität der Finanzmärkte*().
- - - - - - - - - - *(Soros, George: “The Alchemy of Finance”, New York 1987)
- - - - - - - - - - *(Soros, George: “Die Krise des globalen Kapitalismus”, Alexander Fest Verlag, 1998)
- - - - - - - - - - *(Soros, George: “Der Globalisierungsreport”, Alexander Fest Verlag, 2002)
Diese letztgenannte Aufgabe der Politik ist in sofern schwierig, als kollektive Entscheidungsprozesse sehr langsam und wenig effizient sind. Ein Nachteil ist zweifellos die Zeitverschwendung, wenn es um schnelle Handlungsfähigkeit geht. Dem Vorteil der Fehlerminimierung durch gemischte Strategien im globalen Maßstab steht im Einzelfall der Systemfehler von auf ewig verschobenen oder durch Kompromisse unbrauchbar gewordenen Entscheidungen entgegen. Nichtsdestotrotz: Wir kennen keine vernünftige Alternative der kollektiven Entscheidung.
Die den Finanzmärkten inhärente Instabilität muss als Gefahr für so manches kollektives (öffentliches) Gut gewertet werden. Der Einfluss, den die Finanzmärkte auf die Realwirtschaft ausüben, zeigt sich auch in der Kausalkette:
schwache Finanzmärkte
= wegbrechende Besicherungsgrundlage
= höhere Kapitalkosten
= sinkende Gewinne und wegfallende Investitionen in der Realwirtschaft
Angesichts des gewaltigen psychologischen Einflusses von Leerverkäufen der letzten Zeit (Stand August 2002) , kann man sich nur wundern, wie die bedeutenden Langfristanleger (meist Pensionsfonds) sich durch das Ausleihen von Aktien an Hedge-Fonds selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Schließlich ist der Wert ihrer Substanzaktien zusammangeschmolzen, wenn sie diese zurück erhalten. Und bei der jüngst erlebten Talfahrt mag sich jeder selbst die Frage beantworten, ob die vereinnahmten Gebühren für das Verleihgeschäft die buchmäßigen Einbußen wettmachen können.
Selbst wenn Pensionsfonds diese kritische Frage mit ja beantworten würden, weil sie in viel größeren Zeitrahmen denken, so bleibt noch immer der in der Realwirtschaft angerichtete Schaden.
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16.3.2002....... Aktuell:
Wer hört eigentlich noch auf Analysten?
Eine kleine Rückblende:
...Analysten sind nicht alle gleich, Analysten sind auch nur Menschen und es gibt auch andere. In den vergangenen drei Jahren gab es genügend Anlässe, an dem Treiben der Analysten zu (ver-)zweifeln. Den wirtschaftlichen Interessen ihrer Arbeitgeber verpflichtet, jubelten sie (zugegeben auch von den eigenen euphorischen Prognosen der Unternehmen selbst getrieben) die Erwartungen für Umsätze und Gewinne in Höhen, die zu KursUmsatzVerhältnissen (KUV) bis zu 200 führten. Das bedeutet, dass die Börsenkapitalisierung einiger Firmen deren Umsatz für bis zu 200 Jahre (!) entsprach, wobei diese jungen Unternehmen noch nicht einmal Gewinne in Aussicht stellen konnten.
Fälle, in denen Kaufempfehlungen bis unmittelbar vor den heftigsten Einbrüchen der Börsengeschichte abgegeben wurden haben wir zu Hauf, EM-TV ist nur eine der “Berühmtheiten”.
In der Blüte des Internet-Hypes, März 2000, lauteten fast 74% der Empfehlungen "stark kaufen" oder "kaufen", obwohl gerade zu diesem Zeitpunkt dringender denn je vor den Folgen der Übertreibung hätte gewarnt werden müssen. Analysten sind ja auch nur Menschen. Nur unbestritten ist die Tatsache, dass die Firmendurchleuchter für und im kommerziellen Interesse ihrer Arbeitgeber recherchieren und das Timing der Veröffentlichungen sicher nicht zu deren Nachteil gestalten.
Im Jahr 2001 schienen die Analysten etwas gutmachen zu wollen. Den maßlosen Übertreibungen “2000” nach oben folgten Übertreibungen nach unten - und diese halten bis heute an. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, als solle damit ein neutraler Durchschnitt zur Wiedergutmachung erreicht werden. Dieser nützt allerdings niemandem. Die Fakten zählen, und heutiger Fakt ist, dass
1. sich die Konjunktur aufzuhellen beginnt,
2. die amerikanische Rezession per Definition nicht stattgefunden hat,
3. es durchaus ein konjunkturelles “W” geben kann,
4. die Psychologie der Börse die wirtschaftliche Entwicklung vorwegnimmt.
Scott Cleland, Präsident des unabhängigen Research-Unternehmens Precursor Group, kritisiert die stark unternehmensorientierte Ausrichtung der Durchschnittsanalysten mit den Worten: “Die Analysten können dem Anleger alles über das Schiff, die Besatzung und den Preis erzählen - man erfährt jedoch nicht, ob das Schiff auf Grund zu laufen oder von einer Flutwelle zerschmettert zu werden droht.” Es ist die Fixierung auf Ertragsmodelle und Quartalsprognosen, die eine ständige Revision von Kurszielen auslöst.
Es war schon erschütternd, was die Zunft der Analysten bis zum Kursgipfel des Internet-Hype abgeliefert hat. Aber bitteschön, was tun sie jetzt? Sollen die Aktienkurse partout unten gehalten werden, wenn sie gerade mal das Haupt nach oben recken? Will man das versuchen, was noch nie gelungen ist, die Märkte regulieren, korrigieren, lenken?
Ein beliebtes Argument (schon richtig abgenutzt übrigens) ist das hohe durchschnittliche KGV des S&P 500 Index mit rund 41. Viele, die bereits ausgiebig bei www.econo-my.de gestöbert haben wissen bereits, wo der Schwachpunkt bei dem “Durchschnitts-KGV” liegt.
Kurze Auffrischung:
500 Unternehmen = Kapitalisierung 500.000 Mio.
Gewinn = 12.500 Mio.
KGV = 40
50 Firmen sind Bio-Tech-Unternehmen und machen Verluste in Höhe von 2.500 Mio. Dieser Betrag ist in in der Gesamtrechnung enthalten.
Also machen die 450 profitablen AGs zusammen einen Gewinn von 15.000 Mio.
Wir lassen jetzt die 50 Bio-Tech-Firmen einfach mal Pleite gehen. Und betrachten den Rest:
450 Firmen = Kapitalisierung 450.000 Mio. (Proportion beibehalten)
Gewinn = 15.000 Mio
KGV also = 30
Was bedeutet das?
Bei stets gleichen Proportionen haben 10 % der Unternehmen aber 25 % des KGVs ausgemacht!
Natürlich könnten die unrentablen Firmen auch wesentlich größere Verluste machen. Es spielt hioerbei keine Rolle, ob 10 % den doppelten Verlust einbringen, oder 20% die gleiche Proportion. Um die Proportion beizubehalten, wählen wir einen größeren Anteil der Geldvernichter.
Wenn wir als hypothetisches Extrem nun einen Anteil von 50 % annehmen, so muß der Verlust von 12.500 Mio. einem Gewinn von 25.000 Mio. gegenüber stehen, damit insgesamt im Index wieder das vorausgesetzte KGV von 40 zustande kommt. In diesem Fall liegen jedoch die profitablen Unternehmen für sich gesehen bei einem KGV von 10.
50 % der Firmen waren in dieser Konstruktion für 75 % des KGV verantwortlich!
Den Graphen für diese und alle Zwischenwerte zeigen wir unten.
Übrigens: Vielleicht lohnt es sich, mal in den Abschnitt Bewertungen/KGV zuschauen, wo gezeigt wird, dass sich das KGV nicht linear entwickelt.

Der Journalist Holger Zschäpitz betitelte jüngst eine Kolumne mit “Die Verkäuferbank” und führte dabei die Verkaufslisten der Dresdner Bank an, die Top-Blue-Chips bis hinunter zu wirklich maroden Klitschen enthielten. Zschäpitz schloß mit dem Ausblick auf die nächsten Verkaufslisten und stellte fest, die Kunden der Dresdner dürften eigentlich nichts mehr zum Verkaufen im Depot haben.
Aber mal im Ernst. Für das derzeitige Verhalten der Analysten gibt es nur zwei Erklärungen. Die erste lautet: Die Damen und Herren haben den Mut verloren nach dem Motto: “Man kann ja nie wissen...” Oder man könnte auch hineininterpretieren (lassen wir einen der Herren mal sprechen): “Oh, da hab ich in der Vergangenheit böse gepatzt, besser ich bin jetzt eher zu negativ, als dass mir ein weiterer Ausrutscher passiert.”
Die zweite lautet (überraschender Weise): Die Damen und Herren wollen tatsächlich etwas besser machen und auf zu hohe, gerade richtige oder noch sehr niedrige Bewertungen hinweisen.
Hier gibt es dann gleich mehrere Schwierigkeiten. Die Bewertung ist von keinem der Analysten neutral machbar. Allerdings könnte die Masse zu einem bestimmten Titel eine Art Jury bilden, in der sich (durchaus wünschenswert) Diskrepanzen zeigen. Das andere Problem: Analysten sollen AUSSICHTEN beurteilen und kein Urteil über den Ist-Zustand abgeben. Beides gehört natürlich zusammen. Eine unterbewertete Aktie kann auch in der Zukunft aus bestimmten Gründen unterbewertet bleiben - obwohl eher das Gegenteil wahrscheinlich ist. Ebenso ist es in die andere Richtung. Jeder wirklich gute Blue-Chip ist heute bereits teuer, weil schließlich jeder Anleger um die Qualität weiß, und wird folglich auch in der Zukunft teuer bleiben oder noch teurer werden.
Das interessanteste an jeder Analyse sind die Argumente, die benutzt werden, und nicht das zwei- bis dreisilbige Urteil halten, kaufen oder verkaufen. Die Argumente können wir gebrauchen, um sie mit Gegenargumenten zu vergleichen. Es wird uns ohnehin nichts anderes übrig bleiben, als uns auch in der Zukunft ein eigenes, gefestigtes Urteil zu bilden.
Die selben Analysten, die im Jahr 2000 hysterisch waren und jetzt den “absoluten” Pessimismus verbreiten, werden in der kommenden Hausse sich genau wie früher mit mit Kurszielen überbieten und dafür Argumente finden. Sie werden wieder helfen, einen Hype zu entfachen. Wahrscheinlich keinen so kräftigen wie 1998/2000. Also wirklich. Auf all diese gewürfelten Analysen können wir doch eigentlich verzichten, oder? Aber wer hört eigentlich noch auf Analysten?
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22.5.2001Aktuell:
Unternehmens-Verschuldung...
Als Wallstreet-Journalist Markus Koch daran erinnerte, dass sich die Verschuldung der US-Unternehmen im Laufe der Neunzigerjahre stark erhöhte, drängte sich die Frage nach der Relevanz auf. Zu Deutsch: Wie negativ ist die steigende Verschuldung zu sehen, was könnte sich daraus ergeben?
Die Ursachen, warum sich viele Unternehmen zur vermehrten Geldaufnahme haben hinreißen lassen, liegen auf der Hand. Die exzellenten Gewinnaussichten und der Boom der Neunziger ließen die Rückzahlung leicht und die Zinsen (den Erträgen gegenüber) gering erscheinen. Also wurde aufgenommenes Kapital sogar zum Rückkauf eigener Aktien eingesetzt, um den Unternehmenswert zu steigern und dem Shareholder-Value Rechnung zu tragen. Zu dem Thema Aktienrückkauf darf man nicht vergessen, dass große Teile der Kreditaufnahme zur Akquisition anderer Unternehmen benutzt wurden. Und bei der Bezahlung mit eigenen Aktien ist der Rückkauf also nur ein Umweg. Es bleibt die Tatsache, dass in den Neunzigern die Themen Wachstum, Stärkung der Kernkompetenz und Ausweitung des Marktanteils (und manchmal auch das eigene Überleben und Schutz davor, selbst übernommen zu werden) durch den Zukauf von anderen Unternehmen behandelt wurde. Je stärker sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Grße allein nicht alles ist (Fall BMW/Rover, Fall Daimler-Chrysler), desto eher könnte sich diese Managing-Mode legen.
Ein anderer Gedanke liegt ebenfalls nahe: Geld gibt es viel und günstig. Solange die Maschinerie brummt wird kein Problem mit Zinsbelastung und Rückzahlung erwartet. Aber was ist, wenn sich die Wachstumsprognosen als nicht mehr haltbar erweisen? Die Allokation von Kapital erhält schlagartig ein anderes Gesicht. Die Kausalkette
- geringeres Wachstum
- Überkapazitäten
- Preisdruck
- Margenverfall
- drückende Zinslast
gewinnt Eigendynamik. Der Einsatz von Kapital gewinnt also an Priorität gegenüber dem Thema Bewertungen.
Der eigentliche Ursprung der Konjunktur erklärt sich mit Arbeitsteilung. Solange der bäuerliche Handwerker lange vor der Einführung der Drei-Felder-Wirtschaft für sich und seine Familie Schuhwerk herstellte, Flachsfasern spann und verwebte, gab es ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bedarf und Produktion. In jeglicher Art der Selbstversorgung entfällt der Begriff Angebot. Erst mit der Entkoppelung Bedarf-Handel-Produktion zerbricht die direkte Steuerung. Der Markt wird zur Regulierungsinstanz und der Preis darin zu einem Werkzeug. Witterungsbedingte Schwankungen in den Ernteerträgen hat es schon immer gegeben und natürlich gab es Märkte und Preisgestaltung schon vor der Antike. Konjunkturzyklen indes können durchaus als Folge der Arbeitsteilung angesehen werden. Sie resultieren aus mangelhafter Koordination zwischen Angebot und Nachfrage, wobei die Vorratswirtschaft sowohl auf der Produktions- wie auch auf der Verbrauchsseite und auf dem Handelsweg dazwischen Einfluß nimmt.
Eine eigene Rolle spielt die zeitliche Verzögerung bei dem Aufbau zusätzlicher Kapazitäten. Von der Planung bis zur Fertigstellung von Stahlwerken, Papiermaschinen und Produktionsstraßen für Videorecorder kann sich die Marktlage dramatisch verändert haben. Parallentwicklungen verschiedener Anbieter und die Kumulation derer Hochrechnungen führen nicht selten zu Überkapazitäten, die gleichzeitig in den Markt treten. Im ungünstigsten Fall führt dies zur Stillegung bereits vor der Fertigstellung. Eine bedauerliche Fehlallokation von Kapital. Wenn Ertragswachstum mit explodierenden Schulden einher geht, so bedeutet dies nicht zwangsläufig eine Fehlallokation von Kapital. Erst wenn wir weniger herausbekommen, als wir hineinstecken, kann davon die Rede sein.
In dem jetzigen Stadium der Breitbandnetze sehen wir drei Merkmale:
1) Die Vorfinanzierung nimmt überproportionale Größenordnungen an.
2) Der Return on Investment dauert so lange, dass Investoren ungeduldig zu werden beginnen.
3) Investoren geraten in Zweifel über die Einträglichkeit der eingesetzten Mittel (Bsp. UMTS).
Die Rückstufung von Telekommunikationsunternehmen durch Ratingagenturen zeugt von diesen Unsicherheiten. Der allgemeinen Unzufriedenheit der Netzbenutzer mit den heute üblichen Übertragungsgeschwindigkeiten steht die Unsicherheit gegenüber, ob der Verbraucher bereit sein wird, die notwendigen Kosten für den Netzausbau zu bezahlen.
Die eingangs aufgeworfene Frage nach der Relevanz der Unternehmensverschuldung hängt somit von der weiteren realwirtschaftlichen Entwicklung ab. Solange wir davon ausgehen können, dass wir nur eine Wachstumsdelle erleben, werden keine Probleme daraus erwachsen. Die Menge des frei verfügbaren Kapitals und die Mannigfaltigkeit der weiteren Entwicklungen (Kommunikation, Energietechnik, Unterhaltung, Medizintechnik und Biotechnologie) stimmen optimistisch. /-FK-
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31.3.2001 Aktuell:
Quantitative Aspekte
Wir haben bereits erwähnt, dass reduzierte Gewinnaussichten rein mathematisch das KGV erhöhen, während ein Kursverfall das KGV senkt. Beide Vorgänge beeinflussen damit die Bewertungsbasis. Die Kursentwicklung selbst wird durch mengenmäßige Faktoren beeinflußt, die André Kostolany mit einem Bonmot beschrieb: Ob die Kurse steigen oder fallen hängt davon ab, ob es mehr Papiere als Dummköpfe oder mehr Dummköpfe als Papiere gibt. Ein Überangebot und fallende Kurse gehören in der Baisse zweifellos zusammen. Auf der Basis des gesunkenen Preisniveaus ergibt sich jedoch eine Verknappung der Stücke. Das mag auf den ersten Blick verwunderlich klingen.
Als Cisco bei einem All Time High von rund 80 Dollar stand, konnte ein Investor für 8.000 Dollar 100 Stücke kaufen. Nach dem Zusammenbruch auf 15 Dollar konnte man nun rund 530 Stücke für die gleiche Summe erwerben. Wenn wir uns nun vorstellen, dass jeder der 100.000 Investoren mit einem bestimmten Betrag in die nun attraktiv bewerteten Cisco-Papiere einsteigen will, so erkennen wir den Effekt. Bei einem Neuengagement wird mehr als die 5-fache Menge aus dem Markt genommen. Aus Sicht der interessierten Investoren sind die angebotenen Stücke um den Faktor 5,3 knapper geworden, nicht nominal, sondern in Proportion zur Liquidität.
Der Cost-Average-Effect (CAE) wird am häufigsten im Zusammenhang mit Aktien-Sparverträgen und Fonds zitiert, indem größere Stückzahlen bei niedrigen Kursen und geringere bei höheren Kursen zugekauft werden. Das Marktgeschehen beruht zum größten Teil auf psychologischen Effekten und zu einem kleineren Teil auf quantitativen Einflüssen. Bei einer globalen Betrachtung des Marktes ist es genau dieser CAE, der einen beträchtlichen Teil des Marktgeschehens erklärt.
Die Liquidität ist Teil der quantitativen Voraussetzungen, aber ebenso die Stückzahl der gehandelten Aktien. In der Anstiegsphase einer Hausse wird bei gleichmäßigem Einsatz eines bestimmten Investitionsbetrages mit ansteigenden Kursen eine immer geringere Stückzahl gekauft. Der CAE (sonst als verbilligender Faktor gemeint) wirkt hier eindeutig in die entgegengesetzte Richtung, er verteuert den durchschnittlichen Einkaufspreis.
Nach den Einbrüchen in der Baisse dreht sich der Effekt um. Nun werden, wie das Beispiel Cisco zeigte, erheblich größere Stückzahlen für den gleichen Betrag gekauft. Gleichzeitig verstärkt das niedrige Preisniveau den prozentualen Anstiegseffekt, denn im Falle Cisco ist eine Erholung von 15 auf 20 Dollar eine völlig normale Spanne - und das sind immerhin 33 Prozent. Auf dieser Basis ist auch eine Verdoppelung viel eher denkbar, als zu Zeiten des hohen Kursniveaus. /-FK-
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27.1.2001 Aktuell:
Lehren des Börsenjahres 2000
Das große Börsenthema war zweifellos BEWERTUNG. Wer im März 2000 am Neuen Markt investiert war, der
erkennt spätestens heute, was Massenpsychose und Hysterie an der Börse bewirken. Wenn (sicher interessante) Wachstumsunternehmen eine Kapitalisierung erfahren, die deren Jahresumsatz um das Siebzigfache übersteigt, so kann man nur von Hysterie sprechen.
Wie lange und um wieviel muß das Unternehmen seinen Umsatz steigern (von Gewinnen ganz zu schweigen), um in eine solche Bewertung hinein zu wachsen? Schauen Sie sich dieses Thema im Bereich "Bewertungen" an. Die wichtigste Erkenntnis kann nur lauten: Zurück zu den Wurzeln, zu den Fundamentaldaten. Sie kann nicht lauten: Das Ende der High-Techs! Denn woher wird Wachstum kommen? Sicher nur in kleineren Raten aus dem Stahlbereich oder der Nahrungsmittelindustrie. Die High-Techs werden zurückkehren. Aber sie werden realistischer betrachtet werden. Denn was noch immer zählt, sind reale Gewinne in einem überschaubaren Zeitraum.
Aber nicht nur Bewertung war ein Studienthema des Jahres 2000. Auch Wachstumsraten gehören dazu. Die Erkenntnis, dass Branchenwachstum nicht ewig mit 50 bis 70 Prozent durchgehalten werden kann, sollte nicht überraschen. Die Aussichten für die Chipindustrie wurde Anfang 2001 sicher extrem negativ dargestellt (Übertreibungen in beide Richtungen sind als normal bekannt), aber dennoch bleibt die Tatsache, dass Wachstumsbranchen nicht ewig wachsen. Auszeiten sind während der Entwicklung so normal wie Marktsättigung an ihrem Ende.
Wo aber stehen wir in dieser Entwicklung genau? Vor Beantwortung dieser Frage muß sich der Nachdenkende weitere Fragen stellen. Wer glaubt, dass es kaum noch Kunden für PCs und nur noch wenige neue Einsatzgebiete für Steuerchips und Microprozessoren geben wird? Ein wenig glaubhaftes Szenario. Dies legt die Vermutung einer Konsolidierung von Überkapazitäten mit anschließendem "Normalgeschäft" (sprich Wachstumsraten zwischen sieben und fünfzehn Prozent) nahe.
Ähnliche Fragestellungen gibt es auch bei der Telekommunikation. Zweifellos haben haussierende Börsen der Jahre 1997 bis 1999 dazu beigetragen, dass die Finanzierungsmöglichkeiten u.a. für UMTS-Netze blauäugig gesehen wurden.
Eine durchaus als dramatisch zu bezeichnende Verschuldung einzelner Betreiber ist die Folge. Die Kernfrage also lautet: Wie sieht es mit dem Return aus? Wie werden sich die Kunden verhalten? Ob die breite Masse zu einem Umstieg auf Breitband-Handys bereit ist, wird von den monatlichen Kosten abhängen. Für das Telefonieren gibt es hier keinen Handlungsbedarf. Klar ist aber, was den passionierten Internet-User täglich ärgert. Es sind schleichende Übertragungsraten und dazu die Netzabhängigkeit.
Beides kann durch UMTS-Technologie ganz anders gestaltet werden. Es wird also weitergehen, auch im Bereich der Telekommunikation. Auch wenn wir die Geduld für ein paar Auszeiten aufbringen müssen.
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Baumveteranen in Deutschland...
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