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Über diese Domain
( ... warum ausgerechnet Bäume ? )

Fortsetzung: Manch einer glaubt irrtümlich, dass Bäume nur CO2 abgeben, wenn ihr Holz verbrannt wird. Aber während des Regressionsprozesses, dem Prozess des Vergehens nach dem vorangegangenen Lebensabschnitt, sorgt Fäulniss, Vertorfung und bakterieller Materialaufschluss für die Freisetzung vieler Stoffe, auch Gase wie Methan und Kohlendioxid. So kommt es, dass häufig der erdverbundene Prozess von Werden und Vergehen unterschätzt wird und statt dessen allein die Sauerstoff-Erzeugung gesehen wird.

Die Lebensspanne des Menschen ist begrenzt. Diese Endlichkeit wirft Fragen auf, manchmal Zweifel. Jeder muss mit diesen Fragen in seiner eigenen Weise umgehen. Für den einen dominiert die Frage nach Sinn und Zweck, für den anderen sind die großen Dimensionen (Zeiträume der Erdgeschichte, Anfang und Ende von Zeit und Raum oder die unvorstellbare Unendlichkeit des Universums) unbezwingbare, bedrohliche Gedankenberge.

Aber die Rückkehr und Besinnung, Hinwendung zur Ästhetik, zum Positiven und zur Schönheit des Erlebens kann auf vielfältige Weise geschehen. Autogenes Training und Meditation sind bestimmte Formen der inneren Hinwendung und auch zur Gestaltung dessen, was viele “Seele” nennen. Andere mögen es schlicht mit “inneres Gleichgewicht” übersetzen. Im Endeffekt spielt die Bezeichnung keine Rolle.

Wenn ich einem wirklich alten Baumveteran gegenüber stehe, so spielt die “Schönheit” dieses Stückes eine eher untergeordnete Rolle - empfundene “Schönheit” hängt ja ohnehin von Maßstäben, Vorstellungen und Vergleichen ab und ist damit eine Frage sowohl der Sichtweise, als auch der Individualität. Alter ist nun eine ganz andere Art des Wesens einer Sache, aussagekräftig, ausstrahlend, ja manchmal auch charismatisch. Alter ist Aussage an sich, Dokumentation.

Mit all unserem Fortschritt und all der Technologie ist es uns nicht möglich, einen 1000-jährigen Baum zu “erschaffen”, dazu bedarf es einfach einer riesigen Zeitspanne des Werdens, die durch kein Geld der Welt zu ersetzen ist. Besonders schmerzlich wird dies bewusst, wenn man einen alten Veteran aufsuchen möchte, der bereits ein Jahrtausen überdauert hat und noch vor gut zwanzig Jahren in einem Buch dokumentiert wurde. Wenn man dann an dem Platz steht, wo er zu finden sein müsste und von den Einheimischen erfährt, dass dieses gute Stück 1995 zuletzt ausgetrieben hat und entfernt werden musste, so zeigt sich die ganze Dimension der Unwiederbringlichkeit besonders deutlich. Die Anzahl der ohnehin wenigen alten Stücke schrumpft in kürzester Zeit, während hunderte von Jahren vergehen müssen, bevor sich weitere in dieser Altersklasse befinden.

Mir selbst ist an einem einzigen Tag im April 2003 diese traurige Erfahrung gleich zweimal widerfahren! Mein Weg führte am Vormittag nach Meimsheim in der Nähe des Neckar, wo vor dem Friedhof die Meimsheimer Linde zu vermuten war. Eine Trauergemeinde dort gab an diesem Vormittag nur noch zusätzlich den passenden Rahmen ab. Als ich am Nachmittag des selben Tages in Rheinland-Pfalz in Schimsheim (jetzt Arnsheim, OT Schimsheim) eintraf und am Platze der 1000jährigen Effe einen Schaukasten vorfand, in dem das Ende der alten Effe beschrieben wird (sie hat 1979 zum letzten Mal ausgetrieben und die Reste wurden nach heftigen Diskussionen über den “Schandfleck der Ruine” 1997 entfernt), war für mich eine vorangegangene Diskussion entschieden.

Es ging darum, ob nicht mehr existente Bäume auf www.altebaeume.de Erwähnung finden sollten. Damals in Schimsheim wurde mir aufgrund der Unwiederbringlichkeit klar, dass mit jedem Tod eines Baumveteranen der kulturelle Wert der restlichen steigt. Ja, dass uns gerade damit die Fürsorgepflicht unter die Nase gerieben wird. So soll jeder dieser verschwundenen Greise zumindest auf www.altebaeume.de doch genau dies in Erinnerung halten:
Hier gab es ein sehr altes Stück, das ein Jahrtausend überlebt hatte, aber nicht die letzten zwanzig Jahre!

Dies alles ist für uns Grund genug, eine Domain zu schaffen, die sich mit einem bestimmten Ausschnitt unserer Umwelt dieser Dokumentation annimmt - mit unseren Baumgreisen. Um dies einigermaßen geordnet anzugehen, bedarf es einiger Grundsätze und Definitionen.

Was also ist ein alter Baum, wo ist die Grenze, wann beginnt er alt zu werden? Die ältesten Exemplare in Deutschland liegen jenseits der 1000-Jahre-Grenze. Die verschiedenen Baumarten haben eine sehr unterschiedliche Lebenserwartung, was an verschiedenen genetischen und vegetativen Umständen liegt. Immer aber haben auch der Standort und die dort herrschenden Bedingungen einen Einfluss. Als Abgrenzung nach unten bleibt uns somit nur eine willkürliche Festlegung.

Wir setzen diese Grenze zunächst bei dreihundert Jahren an. Da diese Domain fortlaufend ergänzt wird - so ist es jedenfalls beabsichtigt - könnte die Anzahl der Bäume eines Tages ein Heraufsetzen dieser Grenze notwendig machen. Zunächst gehen wir aber davon aus, dass alte Bäume mit weniger als dreihundert Jahresringen im Holz “Jung-Greise” sind und daher nicht auf diese Seite gelangen. Allerdings könnte es einige Ausnahmen geben, und wir überlegen derzeit, ob nicht eine Rubrik mit besonders “schönen” Bäumen sinnvoll wäre.

Der Umfang ist ein wichtiger Indikator eines Baumes. Als Standard messen wir in einem Meter Höhe über dem Boden. Wenn also keine andere Angabe zu einem Umfang auf dieser Seite erfolgt, so ist es dieses standardisierte Maß in einem Meter Höhe. Auf das Wachstum werden wir an anderer Stelle noch genauer eingehen. Hier sei nur erwähnt, dass die Gehölze je nach Art ein sehr unterschiedliches Dickenwachstum haben. Ein Buchsbaum und eine Eibe legen von Jahr zu Jahr nur sehr dünne Schichten zu, während eine Pappel sich in jüngeren Jahren geradezu üppig ausdehnt.

Baumveteranen ist ein Ausdruck, der plastisch beschreibt, dass ein alter Baum viel mitgemacht, viel gelitten aber eben auch viel überlebt hat. Dieser Ausdruck wurde auch mit Vorliebe von Baumfreund und Vorbild Hartwig Goerss benutzt, der mit seinem 1981 im Landbuchverlag, Hannover, erschienenen Buch “Unsere Baumveteranen” bekannt wurde. An dieser Stelle bedanken wir uns bei dem Landbuchverlag, Hannover, für Erlaubnis und Unterstützung, Details und Inhalte auf dieser Domain zu verwenden, wo es geboten erscheint. Hinzuzufügen ist, dass das o.a. Goerss-Buch seit 1991 nicht mehr lieferbar ist.

«Baumveteran» wird auch von Hans Joachim Fröhlich benutzt, der uns dankenswerter Weise das wohl umfangreichste Verzeichnis bemerkenswerter Bäume in Deutschland zusammengetragen hat. (Fröhlich, Hans Joachim: “Wege zu alten Bäumen”/ 12-bändige Broschur-Reihe, 1991-1994, WDV Wirtschaftsdienst oHG) Fröhlich liefert damit gleichzeitig interessante Daten von Stammumfängen, die dort stanbdardisiert in 1,30 m Höhe gemessen werden. Der Unterschied zur Messhöhe von 1 m ist in den allermeisten Fällen nicht gravierend. Wichtig ist, dass die teilweise doch recht starken Wurzelanläufe ausgeblendet werden und eine einheitliche Basis für Vergleiche gefunden wird.

Die Zusammenarbeit mit einem namhaften Bildarchiv ist die ökonomische Grundlage dieser Seite. Alle Fotos unterliegen dem geltenden Urheberrecht und können mit einer Lizenzvergabe professionellen Einsatz in allen denkbaren Medien finden. Wer also professionelles Interesse an den Feindaten zu einzelnen Fotos hat, der wende sich bitte an das Bildarchiv. Privat motivierte Fragen sollten dagegen an www.altebaeume.de gerichtet werden und bitte nicht an das Bildarchiv.

Jetzt überlassen wir Sie dem Reiz der Greise und wünschen Spaß und Erbauung daran.

- Im April 2003 -

- Hier geht´s zu den Baumgreisen -

Unser Thema: Alte Bäume