- zur Baumliste - - zur Karte - -Home- zur Fotogalerie Die folgenden Texte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wurden möglichst knapp gehalten und mit Hinblick auf die Thematik und die Belange der Baumseite www.altebaeume.de geschrieben, außerdem wurde auf die Verständlichkeit Wert gelegt. Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem seien die zum Schluss nachgewiesenen Bücher als weiterführende Literatur empfohlen.

Geheimnis Saftstrom
Quelle: www.altebaeume.de

Um Bäume wirklich verstehen zu können, ist es unabdingbar, auch einiges über das Wesen der Saftströme zu wissen. Dieser Oberbegriff für Transpirationsströme (Wasser mit Nährstoffen von unten nach oben) und Assimilationsströme (der Transport von Assimilaten wie Zucker und Stärke aus den Blättern nach unten und in die Mitte des Baumes) ist deshalb von Bedeutung, weil ein Zusammenbrechen dieses Systems die häufigste Ursache für das Vertrocknen eines Gehölzes ist. Mal ist es ein Verstopfen der Bahnen durch Pilz- oder Virenbefall oder Schadstoffeintrag, ein andermal sind es irreparable Lufteinbrüche durch Verletzungen, die mit dem Eindringen von Schädlingen einher gehen.

Zunächst müssen wir wissen, dass die Leitungsbahnen in den Tracheen und Tracheiden, also über einzelne neben- und übereinander gelagerte längliche Holzzellen nur dann funktionieren kann, wenn es seitliche “Ventile” gibt, durch die hindurch der Saft von einer Zelle in eine andere gelangen kann. Es sind die sog. Hoftüpfel, die diese Verbindung herstellen. Hierbei wird der Saft nicht nur in eine neben-, sondern vor allem auch in eine höher gelagerte Zelle gepumpt. Auf diese Weise wird der Saftstrom kaskadenartig durch den Baum geleitet.

Grafik Hoftuepfel Wichtig ist, dass kein Eindringen von Luft in die Saugleitungen zum Zusammenbruch des Systems führt. Die Hoftüpfel können sich schließen und so das übrige System schützen. Da das Ganze allerdings als Saugsystem funktioniert, indem die Verdunstung der Blätter durch von unten angesogenes Wasser ergänzt werden muss, wird eine Balance zwischen Transpiration und Wasseraufnahme notwendig.

Dies bedeutet gleichzeitig, dass die gröbsten Fehler bei dem Zurückchneiden von Bäumen gemacht werden. Nicht das radikale Kappen wie wir es bei Kopfweiden sehen ist die Lösung - Weiden halten das aufgrund ihrer übermäßigen Regenerierfreudigkeit aus, ebenso wie Linden. Das Absetzen auf Nebenäste ist die korrekte Lösung zur Verkleinerung.

Stellen wir uns folgende Aufgabe: Der Stamm eines alten Baumveterans besteht nur noch aus Hülle und die Hauptäste sind viel zu schwer, als dass nicht das Auseinanderbrechen der gesamten Stammanlage droht. Auch für Stahlseilverspannungen ist es zu spät. Was können wir überhaupt noch tun?

Der Lösungsansatz kann nur lauten, das Gwicht der Äste stark zu vermindern und die Angriffsfläche für den Wind drastisch zu verkleinern. Dabei ist zu bedenken, dass der Baum natürlich umsomehr Bausteine durch die Photosynthese bilden kann, je mehr Blätter, also je mehr Krone erhalten bleibt.

Grafik Saftstrom Aus dem zuvor beschriebenen verbietet sich das radikale Absägen der Äste. Es muss vielmehr die Suche nach der Balance einsetzen. In der nebenstehenden Skizze wird ein richtig/falsch-Modell gezeigt. Die Skizze erklärt sich von selbst, denn wir haben ja bereits dargestellt, dass es sich um ein “Absetzen” auf jüngere Äste handeln muss. Dies begünstigt für den Baum ein Umlenken der Saftströme in jüngere Holzteile, während er bei radikalen Rückschnitten komplette Leitungsbahnen von Grund auf neu bauen müsste!

Besonders problematisch ist dies bei Eichen zu sehen, da diese nur in den Leitungsbahnen der letzten anderthalb Jahre saftführend sind. Es versteht sich daher, dass der Aufbau nach Radikaleingriffen noch problematischer ist, als bei anderen Gehölzen.

Je tiefer in unserer Aufgabenstellung das Absetzen geschehen kann, desto größer sind die Erfolgsaussichten, denn die Angriffsfläche für Sturm und Wind wird entsprechend kleiner und das auf der Hülle ruhende Gewicht ebenso. Eines der Geheimnisse für ein langes Baumleben liegt also in einem funktionierenden Saftstromsystem und einer guten Balance zwischen den Komponenten Boden, Wasseraufnahme, Nährstoffe, Saftstrom, Verdunstungssystem Blätter/Nadeln.


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