-Home- Die folgenden Texte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie wurden möglichst knapp gehalten und mit Hinblick auf die Thematik und die Belange der Baumseite www.altebaeume.de geschrieben, außerdem wurde auf die Verständlichkeit Wert gelegt. Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem seien die zum Schluss nachgewiesenen Bücher als weiterführende Literatur empfohlen.
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Quelle: www.altebaeume.de

Die Diskussion um Gentechnik und das Klonen von lebenden Organismen schlägt hohe Wellen. Unabhängig von allen ethischen und moralischen Grundsätzen können wir feststellen, dass wir seit ewigen Zeiten das Klonen in der Natur erfahren und es zur Pflanzenvermehrung ohne Bedenken nutzen.

In der Diskussion der bereits im Abschnitt Wachstum erwähnten embryonalen Zonen fehlte bisher noch einer der wichtigsten Aspekte. Denn was viele Gehölze uns Säugetieren voraus haben ist die Regenerierfähigkeit. Wenn wir einen Arm verlieren, so steht die Chance bei Null, dass sich ein neuer Arm bildet. Ein Austrieb aus "schlafenden Augen" ist nicht denkbar, auch wenn das nette Wortspiel die Lösung des Problems "über Nacht" nahe legen würde.

Was in der Stammzellenforschung versucht wird, nämlich aus embryonalen Zellen auf Nährflüssigkeiten komplette und teilweise spezialisierte Gewebe heranwachsen zu lassen, ist bei vielen Gehölzen usus. Aber um es gleich vorweg zu nehmen, es funktioniert längst nicht bei allen Gattungen. Wenn man den kurzen Abschnitt eines Weidenzweiges in der richtigen geotropischen Lage, also mit dem Unterteil in die Erde versenkt und ruhen lässt, so bilden die Zellen des Kambiums bei ihrer Teilung zunächst meristemische Zellhaufen, aus denen sich wenig später Wurzeln entwickeln. Diese “vegetative Vermehrung” durch Stecklinge funktioniert auch bei den allermeisten anderen Gehölzen, allerdings je nach Genetik unterschiedlich schwierig, was nichts anderes heißt, als dass wir im schwierigen Fall für zehn neue Pflanzen nicht zehn, sondern zweihundert Stecklinge setzen müssen, weil der Rest erfolglos vergeht. Bei noch anderen Gattungen wiederum können wir es mit zwei Millionen Stecklingen probieren, und wenn sich trotz des Bestäubens mit Bewurzelungshormon nichts tut, so können wir getrost sagen, dass diese sich nicht zur Stecklingsvermehrung eignen. Aber zurück zu den Erfolg versprechenden Arten.

Sobald der Steckling gewurzelt hat (häufig auch schon während dieser Entwicklung), treiben über dem Boden schlafende Augen aus und lassen die ersten Kraftwerke Arbeiten, eine neue eigenständige Pflanze ist entstanden. Zu welch ungeheuren Leistungen es dabei kommen kann, wurde 1986 in einem Artikel im damals noch existierenden Bonsai-Magazin beschrieben, den wir als Auszug am Ende wiedergeben.


Aber was hat das mit der Alterung zu tun? Besser beantwortet man die Frage: mit dem Überleben der Pflanze. Viele unvermeidlichen Schädigungen können durch einzelne Mechanismen, durch die erwähnten schlafenden Augen oder durch Wundverschluss behoben werden. Dennoch werden irgendwann Teile des Baumes der Verrottung anheim fallen, heimgesucht durch Pilze oder Schädlinge. Trotz des etwas besseren Schutzes des Kernholzes wird eines Tages ein Teil des Holzes vertorfen, indem Pilze die Holzfasern aufschließen, Bakterien sie umsetzen. Es wird sich Humus im inneren Bereich bilden. Und das, was wir bei den Stecklingen besprochen haben wird sich mit der Bildung von frischen Wurzeln auch hier zeigen.

Auf diese Weise kann ein alter Greis noch sehr lange fortbestehen, wenn seine eigentliche Lebensuhr längst abgelaufen scheint. Das vertorfte und umgesetzte Material wird meistens im weiteren Verlauf ausgewaschen. Die verbleibenden jüngeren Wurzeln haben sich schon längst bis in den Erdboden verlängert, bilden eine Borke aus und werden später als Luftwurzeln bezeichnet. Ein Teil der Alterung vollzieht sich so durch neues Wachstum auf eigenem Humus.

Aber es gibt andere Merkmale. Wenn man bei älteren Bäumen Stichproben im ein- oder zweijährigen Jungholz macht, wird manchmal eine deutlich dunkle Färbung im Kern auffällig. Dunkles Mark in frischen Trieben kann durchaus Vorbote für Kopierfehler sein. Es sind Kopierfehler gemeint, die sich bei der fortwährenden Zellteilung einschleichen und die sowohl schleichende oder auch rasante Veränderungen ergeben können.

Wie auch bei tierischen Lebewesen können die Fehler im genetischen Material an Stellen liegen, die keinerlei Einfluss auf Wachstum und Fortbildung haben. Viele Bereiche der Genstränge scheinen als nutzlose Erblasten mitgeschleppt zu werden und eine Veränderung in ihnen ist ohne Auswirkungen auf das Leben. Aber dort, wo lebenswichtige Bereiche betroffen sind, entstehen Mutationen - oder Schädigungen, die von geringfügig bis schwerwiegend reichen können.

Problemzone im fortwährenden Wachstum

Mit dem Anstoßen am Himmel dürfte wohl kein Baum ein Problem haben. Nach unten hingegen ergibt sich nach unterschiedlich langer Zeit eine Problemzone. Wenn die Pflanze und mit ihr auch die Wurzeln fortwährend wachsen müssen, so wird früher oder später der Raum eng werden. Natürlich, auch hier gilt: abgestorbene Pflanzenteile können Humus für neues Wachstum bilden. Aber je tiefer der Bereich in der Erde liegt, desto geringer sind die Aussichten darauf, weil Sauerstoff fehlt. Vor allem spielt die Verdichtung des Bodens und parallel dazu seine Durchlüftung eine große Rolle. Es ist also eminent wichtig, den Standort eines alten Riesen zu pflegen oder zumindest nicht durch Bauwerk, Staßenverkehr u.v.m. zu behindern.

Viele Menschen glauben, dass man an dem Standort eines Baumes nichts ändern kann, denn wo er nun einmal steht, da bleibt er halt auch. Das ist natürlich richtig, nur haben Baumspezialisten längst Methoden auch dafür entwickelt. In aufwändigen Aktionen wird die Erde zur Not bis in vier Meter Tiefe ausgetauscht, wobei selbstverständlich die Wurzeln vordringlich geschützt und verschont werden. Dabei wird "Vorratsfütterung" eingebracht. Dabei handelt es sich um sehr langsam abbaubare Nährmittelvorräte, die im Verlauf von weiteren Jahrzehnten dem Baum zu gute kommen.

Diese Spezialisten werden auch Baumchirurgen genannt, weil sie genau wissen, wo und wie altes, totes Holz herausgeschnitten werden muss und wie das verbleibende Holz gegen Pilzbefall und Schädlinge zu schützen ist. Außerdem kennen sie sich mit den Stabilisierungsmaßnahmen aus, denn die fast immer hohlen Greise, von denen kaum mehr als eine Hülle steht, verlieren an Festigkeit und bekommen früher oder später Probleme, die tonnenschweren Äste -jeder selbst so dick wie ein Stamm- zu tragen.

Damit sie im Sturm nicht auseinander brechen, werden sie mit Stahlseilen gegeneinander verspannt. Gewindebolzen aus rostfreiem Stahl werden durch die Äste gezogen und mit Unterlegscheiben und Muttern an der Außenseite verbolzt, während an der Innenseite Stahlseile eingeklinkt werden. Es sind Verankerungen, welche die früher gebräuchlichen Schlingen um die Äste abgelöst haben, da man erkannte, das diese bereits nach wenigen Jahren den Saftfluss des wachsenden Baumes abklemmen.

Was den begrenzten Wurzelraum und den Standort angeht, so wissen wir, dass viele Gehölze durchaus viel ertragen können. Zum Beispiel faszinieren natürliche Bonsai (Zwergbäume, die in Hochlagen von Gebirgen auch in Jahrhunderten nur sehr geringes Größenwachstum durchgemacht haben), weil ihre Wurzeln in Felsspalten und Rissen mit wenig Raum auskommen. Dies gaukelt uns eine enorme Widerstandsfähigkeit vor, die allerdings täuscht. Denn trotz geringem Nährstoffangebot und widrigen Witterungsverhältnissen schaffen es zwar einige Exemplare, sehr lange zu überleben. Diese faszinieren uns dann, aber es darf nicht vergessen werden, dass dies die Ausnahmen sind und eine gigantische Anzahl Schwesterpflanzen im gleichen Zeitraum eben nicht überlebt haben. Und das ist der Standard.

Es ist also schwer, eine Grenze des Erträglichen für jedes Individuum festzulegen, und es wäre gewiss nicht klug, Risiken für die sehr alten und sehr seltenen Exemplare einzugehen. Natürlich stehen dem sehr hohe Kosten für solche Maßnahmen entgegen, ein Problem bei allen Kulturgütern.

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<< Foto archivberlin / Efferer

Ein stark durchwurzelter Raum kann zum Problem werden - in der Schale ebenso wie an beengten Standorten in der Natur. Gesunde Wurzeln haben helle Spitzen. Wenn sie dunkel und matschig werden und dazu einen moderigen Geruch absondern, dann ist dies meist ein Zeichen von Wurzelfäulnis. Gut zu erkennen: Einige weiße Stellen zeigen Pilzgeflecht, Symbiose-Pilze, die dem Baum Nährstoffe aufschließen und im Gegenzug vom Baum mit ernährt werden.

Was bedeutet eigentlich “alt” bei Gehölzen?

Jede Baumgattung hat eine genetisch bedingte Lebenszeit, die wir durch Erfahrung kennnen. So werden die bis zu 150 Meter hohen Mammutbäume (Sequoiadendron giganteum) in den USA durchaus 4000 Jahre alt. Wir kennen Eiben (Taxus) mit einem Alter von 3000 Jahren und haben allen Grund zu der Annahme, dass sie durchaus noch älter werden könnten.



Als Standard gelten:
GattungBotanischer NameVitalität in Jahren
GraubirkeBetula populifolia200 - 300
RotfichtePicea abies300 - 400
Weißtanne Abies alba 400 - 600
HainbucheCarpinus betulus500 - 600
RotbucheFagus silvatica600 - 800
SommerlindeTilia platiphyllos1000 - 1500
BergulmeUlmus glabra1000 - 1500
StileicheQuercus robur1000 - 1800
EibeTaxus2000 - 3000
MammutbaumSequoiadendron giganteum3000 - 4000

Ungeachtet dieser Grobwerte ist anzunehmen, dass einige der Bäume bei entsprechend günstigem Standort bzw. optimaler Pflege auch älter werden können.

Dickenwachstum und Altersschätzung

Ach, ist das ärgerlich! Da haben wir doch vor wenigen Jahren einen Drahtzaun direkt an einen Stamm genagelt und zudem noch wie eine Schlinge um den Stamm gelegt! Schande über uns! Nun sehen wir uns die Bescherung an: Der abgequetschte Saftfluss hat dicke Wülste entstehen lassen, der Draht ist eingewachsen. An dieser Stelle ist der Stamm nun fast doppelt so dick wie die ungequetschten Bereiche.

Wir lernen daraus, dass der Standort, das "Eingeferchtsein" in Felsen oder Bauwerk zu starken Veränderungen im Dickenwachstum führen kann. Es handelt sich aber um Sonderfälle. In der Regel kontrollieren wir bei gefällten Bäumen anhand der Jahrringe das unterschiedliche Wachstum in den einzelnen Jahren und sehen, dass in trockenen Jahren dünne Ringe ausgebildet wurden, die auch dunkler eingefärbt sein können. Die Einlagerung von Lignin hat hier früher begonnen als sonst, und der Umfangszuwachs ist in diesen Jahren natürlich auch geringer ausgefallen.

Schauen wir uns eine gefällte Pappel an, die mit achtzig Jahrringen ganz dicht an einem anderen Baum gestanden hat, beide bedrängten sich. Wir sehen, dass die Jahrringe sehr asymetrisch, exzentrisch entstanden sind. Die bedrängte Seite hat nur wenig Raum gehabt und nur dünne Jahrringe erlaubt, während die gleichen Ringe auf der anderen Seite übertrieben üppig ausgefallen sind. Noch üppiger als dies bei einem vergleichbaren frei stehenden Baum ausgefallen wäre. Wir erinnern uns an den eingewachsenen Draht. Dem Druck nachgebend hat der Baum viel Energie und Material in die freie Seite investiert.

Bei Altersschätzungen müssen wir solchen Gegebenheiten Rechnung tragen, soweit es erkennbare Einflüsse sind, der Boden, die Umgebung. Aber die Umgebung kann sich in Jahrhunderten natürlich deutlich verändert haben. Was die Dicke der einzelnen Jahrringe bei den Schätzungen angeht, so können wir über größere Zeiträume ganz beruhigt sein: Ein komplettes Jahrhundert mit nur trockenen Jahren kann nicht dabei gewesen sein.

Also hat sich über längere Zeiträume dieses Dickenwachstum nivelliert und wir können im ersten Gedankenansatz von Durchschnittswerten ausgehen. Das Platz-, Licht- und Nährstoffangebot sind Faktoren, die das Dickenwachstum beeinflussen. Der Standort mit seiner typischen Bodenbeschaffenheit begünstigt verschiedene Gehölzarten unterschiedlich. Dies betrifft sowohl das Angebot an Feuchtigkeit, wie auch an Nährstoffen.

Unser Thema aber ist Dickenwachstum und Alter. Wir müssen also zunächst feststellen, dass aufgrund der Standortbedingungen bei ein und derselben Gattung ein unterschiedliches Dickenwachstum zu verzeichnen ist. Immer aber spielt sich der Prozess in einem Verhältnis zwischen den Volumina Krone und Wurzelwerk ab, wobei die Menge der Kraftwerke, denen der Mensch die Bezeichnung “Blätter” gegeben hat, von entscheidender Bedeutung ist. Die Assimilate und Nährstoffe können nun entweder gleichmäßig in den Ausbau von Wurzeln, Astwerk und Stammdicke eingebracht werden, oder aber bevorzugt in zu fördernde Teile (z.B. Wachstum dem Licht entgegen oder Wundverschluss).

Hier nun setzen Unterschiede im Alterungsprozess ein. Als Jungbaum erreicht das Gehölz irgendwann einen optmalen Wirkungsgrad, bei dem ein Optimum an Blättern mit einem Optimum an Nutzung des Wurzelraumes zusammen trifft. Äußere Einflüsse wie Blitzschlag, Astverlust, Hochwasserstände u.a. beeinträchtigen entweder die Blattmasse oder schädigen die Wurzeln. Auf jeden Fall wird der Baum in der Entwicklung zurückgeworfen.

Die selben Einflüsse ergeben sch bei der voranschreitenden Alterung. Woher sollte ein Veteran ein kräftiges Dickenwachstum nehmen, wenn nur noch Astfragmente für Assimilation sorgen und der Wurzelraum stark verdichtet ist? Wenig Einfluss hat hierbei der Innenbereich des Stammes, denn das Kernholz ist längst mit Lignin besetzt und aus dem Versorgungsprozess ausgeschieden. Für das Dickenwachstum ist es wenig wichtig, ob der Stamm komplett hohl oder massiv ist; für die Statik des Baumes jedoch spielt es eine große Rolle.

Im Alter kann es vorkommen, dass nur noch einzelne Saugstränge im Stamm intakt bleiben. Das Dickenwachstum kann nur noch dort wirksam werden, während in abgestorbenen Stammteilen nur noch totes Holz der Statik nutzt. Die Leistung der lebenden Teile wirkt sich dann bezogen auf den Gesamtumfang des Gehölzes geringer aus.

An dieser Stelle muss eine harsche Kritik an einer missgedeuteten Interpretation der Assimilationsströme einsetzen, die Anfang des 20. Jahrhunderts dazu geführt hat, dass Bäume mit Eisenringen eingefasst wurden. Man hatte hier die irrige Vorstellung, dass die “kostbaren” Assimilate in der Krone zurückgehalten und konzentriert werden können, wenn die Leitungsbahnen des Bastes eingeengt würden. Zugleich ging es in dieser Vorstellung darum, dass der Zuwachs begrenzt werden sollte, so dass ganze Alleen “beringt” wurden. Aus heutiger Sicht unverständlich, denn jedermann ist deutlich, dass jedes einzelne Gehölz ein Ökosystem darstellt, in welchem alle Teile zusammenwirken müssen und sollen.

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<< Fotos: privat >>

Die Fotos zeigen ein Relikt aus jenen Tagen. Am Ortsausgang von Gößweinstein nach Hartenreuth in der Fränkischen Schweiz steht diese Robinie am Straßenrand. Wie ein Landwirt der Gegend berichtete, hat sich der Baum mit dem Eisenring in den letzten achtzig Jahren kaum verändert, nur die Wulst oberhalb des Ringes ist stärker geworden, während Partien Gegenüber abstarben. Über dem Ring wird ein Umfang von 2,20 m gemessen, unter dem Ring sind es 1,70 m. Gut die Hälfte des Stammes ist tot und es ist fraglich, wie lange der Baum das Korsett noch überlebt.

Für fünf deutsche Provinzen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das Anlegen eines “Forstbotanischen Merkbuches” beschlossen. Hans Joachim Fröhlich hat einige dieser Daten aus den Jahren 1906 und 1907 mit aktuellen Daten verglichen*().

*(Fröhlich, Hans Joachim: “Wege zu alten Bäumen”/ 12-bändige Broschur-Reihe, 1991-1994, WDV Wirtschaftsdienst oHG )

Dabei ergaben sich bei einer 350-jährigen und einer 500-jährigen Linde folgende bemerkenswerte Unterschiede:

350-jährige Linde *(Baumdaten: Fröhlich Bd.5/Nr.105):
Umfang 1907: 330 cm / Höhe nicht erwähnt
Umfang ca.1988: 385 cm / Höhe 16 m / KroneD=18 m
Zunahme Umfang: 55 cm
Zuwachs Umfang + 0,679 cm pro Jahr = Durchmesser + 0,216 cm
Entspricht Jahrringen in diesem Zeitraum von je 1,08 mm
Über die gesamte Lebenszeit: Jahrringe je 1,75 mm

500-jährige Linde *(Baumdaten: Fröhlich Bd. 5/Nr.132):
Umfang 1907: 425 cm / Höhe 15 m / KroneD=30 m
Umfang ca.1988: 620 cm / Höhe 24 m / KroneD=18 m
Zunahme Umfang: 195 cm
Zuwachs Umfang + 2,407 cm pro Jahr = Durchmesser + 0,767 cm
Entspricht Jahrringen in diesem Zeitraum von je 3,83 mm
Über die gesamte Lebenszeit: Jahrringe je 1,97 mm
Dieses Ergebnis ist schwerlich erklärbar, denn das Dickenwachstum muss demnach in den letzten 81 Jahren doppelt so stark ausgefallen sein gegenüber der Zeit zuvor. Das ist eher unwahrscheinlich. Sollte die Lösung jedoch darin liegen, dass das absolute Alter des Baumes eher bei 300 Jahren liegt, so käme man mit Jahrresringen von 3,29 mm pro Jahr der Lebenszeit auf einen halbwegs erklärbaren Wert. Übrig bliebe die Differenz zu der zuvor genannten 350-jährigen Linde, die jedoch an ihrem Standort einen ganz anderen Lebensraum hat.

Die gleiche Rechnung bei einer 300-jährigen Buche *(Baumdaten: Fröhlich Bd. 5/Nr.104):
Umfang 1907: 400 cm / Höhe nicht erwähnt
Umfang ca.1988: 610 cm / Höhe 29 m / KroneD=21 m
Zunahme Umfang: 210 cm
Zuwachs Umfang + 2,59 cm pro Jahr = Durchmesser + 0,826 cm
Entspricht Jahrringen in diesem Zeitraum von je 4,13 mm
Über die gesamte Lebenszeit: Jahrringe je 3,24 mm

Zu einer nicht mehr existierenden Eiche bei Dobersdorf/Kr.Plön gibt Fröhlich interessante Daten wieder *(Baumdaten: Fröhlich Bd. 6/Einführung):
Umfang 1906: 570 cm / Höhe 15 m / KroneD=31 m
Umfang 1987: 730 cm / Höhe 20 m / KroneD=34 m
Zunahme Umfang: 160 cm
Zuwachs Umfang + 1,975 cm pro Jahr = Durchmesser + 0,629 cm
Entspricht Jahrringen in diesem Zeitraum von je 3,14 mm
(Falls die Eiche 500 Jahre alt geworden ist, so entspräche dies über die gesamte Lebenszeit einer Jahresringbreite von je 1,94 mm)
Fröhlich erwähnt, dass die Krone schon immer sehr ausgeprägt war. Wenn man sich bei diesen Maßen die Blätter jeweils als Schale einer Halbkugel vorstellt, so zeigt die Vergleichsrechnung, dass sich die Blattmasse etwa verdoppelt hat.

Eine weitere Eiche im Vergleich (Missionseiche, Forsthaus Brüggefeld, Baumdaten: Fröhlich Bd.5/Einführung)
Umfang 1907: 780 cm
Umfang 1987: 670 cm
Zunahme Umfang: 110 cm
Zuwachs Umfang + 1,375 cm pro Jahr = Durchmesser + 0,438 cm
Entspricht Jahrringen in diesem Zeitraum von je 2,19 mm pro Seite
Über die gesamte Lebenszeit: Jahrringe je 2,07 mm
Interessant ist bei diesem Baum eine Altersuntersuchung, bei der in 7,5 m Höhe 2 m vom Stamm entfernt aus einem 1981 gebrochenen Ast eine Scheibe entnommen wurde, Durchmesser 71 cm. Das Auszählen der Jahrringe ergab 300. Auch wenn nicht feststellbar ist, wann dieser Ast angesetzt wurde, so erlaubt der Vergleich mit dem Stamm (Durchmesser 2,50 m) eine relativ sichere Altersschätzung bei 600 Jahren.

Auch wenn wir feststellen, dass das Dickenwachstum unterschiedlich abläuft, so ist dennoch der Versuch zu einer Formalisierung sinnvoll. Hier ist zu erwarten, dass wir in einer globalen Matrix, die wir mit gesicherten Daten unterlegen, die Verschiebungen im Dickenwachstum im Lebensalter einer bestimmten Gattung abgrenzen können. Machen wir uns daran und erstellen eine Tabelle, in der wir den Jahren ein bestimmtes durchschnittliches Dickenwachstum zuordnen, und verfolgen wir die Entwicklung über größere Zeiträume:

Zur Vorgehensweise ist einiges zu sagen. Solange ein Baum lebt, muss er jedes Jahr einen Jahresring als Zuwachs anlegen. Dies ermöglicht in gewissen Grenzen eine Rückrechnung, die wir als Schätzwert verstanden wissen wollen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass es sich bei den untersuchten Bäumen um frei stehend Exemplare handelt, die sich auch frei entwickeln konnten.

Dies sei erwähnt, weil wir wissen, dass Bäume mit eingeengtem Wurzelraum sehr viel weniger Dickenwachstum vollbringen, als frei stehende. Wir kennen dies sowohl von natürlichen Zwergbäumen in Hochlagen (in Felsspalten und widrigen Witterungslagen) und auch von den in Schalen kultivierten Bonsai. Daraus ergibt sich, dass die erreichten Schätzwerte das Fehlerrisiko nach unten begrenzen, denn die betrachteten Bäume werden keinen Grund zu einem exorbitant vergrößerten Dickenwachstum gehabt haben. Dieser könnte also im Einzelfall nur geringer ausgefallen sein, so dass der Baum eher noch älter sein müsste. Dies bringt uns auf eine einigermaßen sichere Basis.

Wir haben genügend verlässliche Daten von historischen Bäumen, was das Alter angeht. Standardisiert messen wir in einem Meter Höhe über dem Boden den Umfang, so dass Besonderheiten von Wurzelanläufen nur selten relevant sind. Falls solche Besonderheiten wahrgenommen werden, so sind sie zu berücksichtigen. Wie gehen von der Idealisierung eines kreisförmigen Stammes aus, so dass wir es mit der Berechnung Durchmesser und Umfang sehr einfach haben.

Wie bereits erwähnt können wir davon ausgehen, dass sich über die langen Zeiträume gute und schlechte Wachstumsjahre zu einem annehmbaren Schnittwert in der Dicke der Jahrringe ausgleichen. Dieser in Millimeter angegebene Schnittwert eines Jahrringes muss auf beiden Seiten des Stammes bedacht werden. Bei einer genügenden Anzahl bekannter Daten bekommen wir in dieser Rückrechnung bestätigt, was wir schon lange wissen: je nach Gattung fällt das Dickenwachstum unterschiedlich, aber innerhalb jeder Gattung gut vergleichbar aus. Und ein gegenseitiger Vergleich der Daten zeigt schließlich deren logische Stimmigkeit.

Die nachfolgende Tabelle ist nur ein winziger Auszug, auf das Wesentliche beschränkt. Die Originaltabelle beinhaltet auch Dickenzuwachs von Zwischengrößen wie 0,8 und 1,0 mm usw. Dem Alter (in der Matrix links) folgt dann in Klammern gesetzt der Durchmesser und hinter der Klammer der Umfang in Metern.

Die 2,5 bis 0,6 mm im Tabellenkopf stellen die durchschnittliche Breite der Jahrringe über das ganze Baumleben dar. Wichtig ist: Es handelt sich hier noch nicht um tatsächliche Baumdaten, sondern eine Blindrechnung ausgehend von bekannten Altbäumen mit gesicherten Daten. Wenn man in dieser Matrix den Standort realer Daten bestimmt, so zeigt sich eine deutliche Häufung bei bestimmten Gattungen in bestimmten Altersgruppen. Aber dazu später mehr.

Efferer-Tabelle (Auszug)
Quelle: www.altebaeume.de

Altersproportionen
(Durchmesser) Umfang
Jahre2,5 mm/a1,5 mm/a1,2 mm/a0,6 mm/a
200( 1,00 ) 3,14 m( 0,60 ) 1,88 m( 0,48 ) 1,51 m( 0,24 ) 0,75 m
250( 1,25 ) 3,93 m( 0,75 ) 2,36 m(0,60 ) 1,88 m( 0,30 ) 0,94 m
300( 1,50 ) 4,71 m( 0,90 ) 2,83 m( 0,72 ) 2,26 m( 0,36 ) 1,13 m
400( 2,00 ) 6,28 m( 1,20 ) 3,77 m( 0,96 ) 3,01 m( 0,48 ) 1,51 m
500( 2,50 ) 7,85 m( 1,50 ) 4,71 m( 1,20 ) 3,77 m( 0,60 ) 1,88 m
600( 3,00 ) 9,42 m( 1,80 ) 5,65 m( 1,44 ) 4,52 m( 0,72 ) 2,26 m
700( 3,50 ) 10,99 m( 2,10 ) 6,59 m( 1,68 ) 5,28 m( 0,84 ) 2,64 m
800( 4,00 ) 12,56 m( 2,4 ) 7,54 m( 1,92 ) 6,03 m( 0,96 ) 3,01 m
900( 4,50 ) 14,13 m( 2,70 ) 8,48 m( 2,16 ) 6,48 m( 1,08 ) 3,39 m
1000( 5,00 ) 15,7 m( 3,00 ) 9,42 m( 2,40 ) 7,54 m( 1,20 ) 3,77 m
 Linde
Ulme
Eiche Eibe

Eine umfangreiche Tabelle lässt sich Dank der heutigen Software (Tabellenkalkulation) schnell und einfach bewerkstelligen. Wenn man nun bei einem ansehnlichen Veteran Maß genommen hat und die Standortbedingungen als normal einstufen konnte, so kann man in der großen (hier nicht abgebildeten) Tabelle in z.B. 10-Jahres-Sprüngen den Umfang verfolgen und so tabellarisch das theoretische Alter als grobe Schätzung ablesen.

Anmerkung zur Efferer-Baumtabelle
Quelle: www.altebaeume.de
Die Efferer-Baumtabelle ist nicht mehr als eine Arbeitsunterlage, ein Werkzeug. Sie trifft selbst keine Aussage über das Alter in Proportion zu einem standardisierten Stammumfang. Die Aussage muss erarbeitet werden, und die ersten Erfahrungen stimmen zuversichtlich, da neue gesicherte Daten bei der Integration fast immer in das vorhandene Schema hineinpassen.
Diese Matrix wurde aus einigen gesicherten Anfangsdaten zurück gerechnet und bildet einen Rahmen, der durch weiterhin zu sammelnde Daten mit Leben erfüllt werden kann. "Gesicherte Daten" sind hierbei Angaben über Stammumfang und Alter eines Baumes, die im günstigsten Fall durch Messung und Auszählen der Jahrringe generiert wurden. Ferner handelt es sich um Informationen, die durch Beurkundung in historischen Dokumenten glaubhaft erscheinen.
Wir können nicht davon ausgehen, dass das Dickenwachstum der Gehölze linear das ganze Baumleben hindurch erfolgt. In jungen Jahren ist mit einem etwas stärkeren Zuwachs zu rechnen, im Alter dagegen mit schwächerem (wenn Teile der Krone bereits abgestorben sind). Alles in allem hängt das Dickenwachstum von der Kombination aus Versorgung und Größe der Krone ab. Letzteres wird bedingt durch das Quantum der Assimilation und der für die Photosythese zur Verfügung stehenden Blatt- bzw. Nadelfläche. Eine im Alter durch Windbruch stark verkleinerte Krone wird ebenso zu geringerem Zuwachs führen wie verdichteter, ausgelaugter Boden.
Ebenso ist nicht davon auszugehen, dass die in der Realität vorkommenden Sprünge im Wachstums bei allen Baumarten gleich verlaufen. Vielmehr sind nur gattungsbezogene Vergleiche statthaft, was wir am Beispiel der Rotbuche, Fagus sylvatica, zeigen werden.
Trotz dieser Bedenken ist die Efferer-Tabelle zunächst linear aufgebaut, da sich nur so ein gängiger Ansatz findet. Eine Modifizierung ergibt sich aus zusätzlichen Daten. Je mehr Daten gesammelt werden, desto stärker schält sich ein Bild über den durchschnittlichen Verlauf des Prozesses heraus. In der Tabelle können z.B. jene Zellen grau hinterlegt werden, die durch gesicherte Daten getroffen wurden. Auf diese Weise entsteht im Laufe der Zeit eine Fläche, die den Erfahrungsbereich abdeckt und wiederspiegelt.
Alles in allem kann das Verfahren als "optimierte Schätzung" gewertet werden.

Die Erfahrungen der Praxis haben die Werte immer wieder bestätigt. Es kommt bei diesem Verfahren einfach nicht vor, dass ein Baum auf das Doppelte seines tatsächlichen Alters geschätzt wird. Natürlich gibt es immer wieder Besonderheiten, dass ein Baum z.B. einseitig gequetscht wurde, nicht rund sondern mit Ein- oder Ausbuchtungen gewachsen ist, oder -noch eklatanter- aus mehreren zusammengewachsenen Einzelstämmen entstanden ist (siehe Grünhofer Gehölz). Aber all diese Besonderheiten lassen dennoch genügend Spielraum für eine gute Schätzung.

Wer an der kompletten "Efferer-Tabelle" interessiert ist, der kann sie sich hier als Excel-Tabelle (Efferer.xls, ca. 54 KB) zusammen mit Arbeitshinweisen (beides zusammen .zip gepackt, ca 35 KB) herunterladen: DOWNLOAD

Höhenwachstum

Was passiert noch im Alterungsprozess? Wenn man sich ältere Lärchen anschaut, so stellt man in einigen Fällen fest, dass in einer Baumhöhe zwischen acht und vierzehn Metern sich das Höhenwachstum in die Breite verlagert hat. Äste werden dort dicker und bringen mehr Zweige hervor, als die ehemalige Hauptachse. Manchmal entsteht ein recht schiefes Kronenbild, was soweit geht, dass hängende Partien sich eher wieder dem Boden nähern.

Bei Kiefern ist das nicht anders, nur meistens in einer größeren Höhe. Am Rande sei vermerkt, dass hier kein "Krümmungswachstum" gemeint ist, welches durch einen schattigen Standort (z.B. durch höhere Baumverbände in der Nähe) hervorgerufen wird. Dort orientiert sich das Wachstum natürlich nach dem Lichtangebot, und die Bäume beginnen quer zu streben.

Die Gattungen haben ihre spezifische Endhöhe, in der dieses Verbreiterungswachstum einsetzt, schließlich ist es durchaus logisch, dass die Saugleistung des Systems in einem harmonischen Verhältnis zu der Höhe stehen muss, bzw. umgekehrt.

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Eine Schlussbemerkung:
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Die älteste Gattung: Der Gingko-Baum hat bereits 150 Millionen Jahre überlebt. Er gilt als lebendes Fossil, da er biologisch mit seinem Blattwerk zwischen Nadelbaum und Laubbaum anzusiedeln und mit keinem anderen Gehölz vergleichbar ist. Die jüngere Zeit überdauerte er als Tempelbaum in China und Japan. Und jetzt erfreut er sich erneut der Beliebtheit als Parkgehölz. Helmt J.- Braun schreibt über den Gingko: “Der Gingko, dieses Paradebeispiel eines "lebenden Fossils", der seine Zeit überdauert hat, kennt keine Krankheiten, alle seine Feinde haben längst "das Zeitliche gesegnet"; selbst die Luftverschmutzung auf der New Yorker Fifth Avenue macht ihm nichts aus.”


Unser Thema: Alte Bäume

Über die unglaubliche Regenerierfähigkeit der Linde ...

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Der dickste Steckling auf dem Weg zum Bonsai
(Auszug, alte Rechtschreibung)

Dieser Bericht wäre wohl nur schwerlich zu glauben, wenn es nicht die zahlreichen Belegfotos gäbe. Es handelt sich um ein Beispiel der unglaublichen Regenerierfähigkeit der Linde. Genauer gesagt, der Sommerlinde, Tilia platyphyllos.

Angefangen hat alles mit einem frisch gebauten Kamin. Denn was will man mit einem Kamin, wenn kein Holz dafür vorhanden ist. Glücklich kann man sich schätzen, wenn ein Familienangehöriger gerade eine 70 Jahre alte, fünfundzwanzig Metr hohe und in Brusthöhe 250 cm Umfang (das entspricht dem Durchmesser von knapp 80 cm) messende Linde loswerden möchte. [...]

Holz war nun da, aber es mußte gehackt werden. Ein Hauklotz mußte her. Da lag gerade ein passendes Stück aus dem Stamm herum. Es mochte so etwa sieben Meter über dem Erdboden zu einer erstaunlichen Dicke von 53 cm herangewachsen sein. Hauklotz auf die Erde stellen, Axt schwingen und den Stiel abbrechen war eins. Das Gehackte wurde aufgeschichtet, der Hauklotz blieb an seinem Platz stehen.

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Foto: privat >>
Der Stammabschnitt der Sommerlinde aus etwa
sieben Metern Höhe im Frühjahr 1984
kurz vor der “Ausgrabung” fotografiert.
Kräftige Triebe mit zartgrünem Laub
entspringen dem Stamm in 15 bis 20 cm Höhe.
Der Stammabschnitt stand jahrelang am gleichen Fleck
auf der Erde. Er wurde als Hauklotz benutzt.

Im darauf folgenden Frühjahr trieb der Hauklotz an zwei dicht nebeneinander liegenden Stellen noch einmal aus. Man bewundert die Kraft, die noch in einem längst abgesägten Stück Holz stecken mag, auch wenn es sich nur um einen sehr dürftigen, dünnen Austrieb handelt. Damals stand 1979 auf den gängigen Kalenderblättern.

Ein Jahr später, 1980, trieb der alte Knotzen tatsächlich noch einmal aus, wenn auch wieder sehr dürftig. [...]Als 1982 und 1983 ein sogar noch kräftiger Austrieb einsetzte, erinnerte sich kaum noch jemand in der Familie daran, in welchem Jahre der Hauklotz eigentlich seinen Platz bekommen hatte. Aber eines war klar: irgend etwas ging nicht mit rechten Dingen zu . Hat der Hauklotz das Sprichwort “Solange da stehen bis man Wurzeln schlägt” etwa wörtlich genommen? [...]


-Foto-

<< Foto: privat
Links: Neben dem Hauklotz wurde ein großes
Loch gegraben. Von der Seite her wurden sehr
vorsichtig die Wurzeln freigelegt.
Die drei Hauptwurzeln hatten ihre Spitzen
schon recht tief ins Erdreich gebohrt. Kaum zu glauben,
dass die Wurzeln zu dem Hauklotz gehören sollen!

Rechts: Die Wurzeln sind freigelegt,
vorsichtig wird der Stammabschnitt angekippt,
damit man die Unterseite besser sehen kann.

Das mit Spannung erwartete Ereignis trat zwar recht spät ein, aber mit Macht: die Triebe waren zahlreicher und kräftiger als je zuvor. Der frisch geschliffene Spaten wurde hervorgeholt. Mit größter Vorsicht ging man ans Werk. [...]

Und tatsächlich, das Unglaubliche wurde Gewißheit: drei kräftige Hauptwurzeln mit dazugehörigen Wurzelnestern wurden sichtbar. Sie entsprangen auf der Fläche einer Handbreit unter der dicken, uralten Borke, dem Rest einer Kambialschicht. Natürlich genau an der Seite, an der auch der vielfache Austrieb erschienen war. [...]

-Foto-

Foto: privat >>
Noch kann man nicht genau erkennen,
woher die Wurzeln nun eigentlich kommen.
Sobald der Stamm angekippt wird, gibt es gar keinen
Zweifel mehr: der Hauklotz hat ausgeschlagen.
(Spätere Anmerkung d.Verfassers: Es hätte lauten
müssen: Der Hauklotz hat Wurzeln geschlagen!)

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Die Rinde ist uralt und vier Zentimeter dick.
Genau kann man jetzt die Lage des Kambiums
lokalisieren. Es liegt genau an der Außenseite
der neu gebildeten Wurzeln.

An anderen Stellen waren keine Wurzelansätze, auch keine verkümmerten, zu finden. Vorsichtig wurden die Wurzeln wieder ins Erdreich eingebettet. Der Hauklotz stand wieder an seinem Platz, und eigentlich wußte man gar nicht so recht, was man damit anfangen könnte. Eine Kuriosität, aber sonst? Auf jeden Fall sollte er nicht sterben, nachdem er sich so durchgebissen hatte, der Klotz.

[... Anmerkung:
Im Weiteren folgte eine Beschreibung, wie der lebende Teil von dem toten Holz abgetrennt wurde, und wie erste Versuche einer groben Gestaltung vorgenommen wurden...]

Vielleicht aber wird eines Tages ein Bonsai daraus. Und das muß man sich dann noch einmal vorstelln: ein Zwergbaum aus dem Stamm einer 25 m hohen Sommerlinde! Fast unglaublich! / FRR

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Das “derbe Stück Linde”, nachdem es im Frühjahr 1985 in die Betonschale gesetzt wurd. Die grobe Schale kann man durchaus zu dieser Kuriosität akzeptieren. Was für eine Schale sollte sonst wohl passen?


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Die selbe Kuriosität gute 17 Jahre
später: Die Pflanze hat überlebt,
wenn auch einer von zwei Vegetationszentren
abgestorben ist. Der andere erfreut sich
bester Gesundheut und entfaltete drei Wochen
nach diesem Foto herrliche Blätter.

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Foto: privat >>




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Weiterführende Literatur, zugleich Quelle für diese Texte, beginned mit der Hochschulliteratur Braun und Larcher:

Braun, Helmut J.: “Bau und Leben der Bäume”, Rombach 1980
Larcher, Walter: “Ökologie der Pflanzen”, Ulmer 1984
Bernatzky, Aloys: “Baumchirurgie und Baumpflege”, Verlag Bernhard Thalacker, 1985
Fröhlich, Hans Joachim: “Wege zu alten Bäumen”/ 12-bändige Broschur-Reihe, 1991-1994, WDV Wirtschaftsdienst oHG
Phillips, Roger: “Das Kosmos Buch der Bäume”, Franckh’sche Verlagshandlung, 1984
Loose, Helmut: “Obstbaumschnitt”, BLV1983
Harz, Kurt: “Bäume + Sträucher”, BLV 1980
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Die nachfolgenden Bücher gehören ausnahmslos zur Bonsai-Literatur, in der nur sporadisch ergänzendes Wissen zum Wachstum zu finden ist, da sie sich vornehmlich der Gestaltung widmen:

Behme, Robert L.: “Bonsai - Ein faszinierendes Hobby”, Heyne 1981
Chan, Peter: “Bonsai - Masterclass”, Franckh’sche Verlagshandlung,1989
Daute, Horst: “Bonsai - Pflege und Anzucht”, BLV 1980
Dietiker, Ulrich: “Bonsai - Japanische Zwergbäume als Hobby”, Hallwag 1981
Kandetzki, Horst W.: “Heimische Zwergbäume”, Heyne 1983
Kawamoto, Toshio: “Saikei”, BLV 1980
Lesniewicz, Benedikt: “Bonsai”, Falken-Verlag, 1981
Lesniewicz, Paul: “Bonsai - Miniaturbäume”, Verlag Bonsai-Centrum Heidelberg, 1980
Notter, Pius: “Bonsai - Zwergbäume unserer Heimat”, Selbstverlag 1984
Schmidt, W.: “Die Kunst des Japanischen Bonsai”, Ulmer, 1980
Takeyama, Koide Kato: “Bonsai”, BLV 1980