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Die Stollenlinde in Goslar

Wer Goslar und seine herrliche Altstadt besucht, der sollte sich die Zeit nehmen und einen kleinen Spaziergang von Parkplätzen vor der Kaiserpfalz in die nordwestliche Richtung machen. Nach dem Überqueren der B 241 wird er die Wohnstraße “Am Stollen” vorfinden, die leicht bergauf führt. Bereits hinter der ersten Biegung findet sich rechts auf einem Privatgrundstück eine der gesündesten Linden unter unseren “Greisen”.
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Foto 000102: archivberlin / Efferer, März 2003) >>

Mit dem Größenvergleich einer Person beeindruckt der mächtige Stamm der Stollenlinde wohl jeden Betrachter. Größenvergleiche sind bei Baumgreisen eigentlich immer anzuraten, da die reine Abbildung des Baumes selten die wahre Dimension darstellt. Standardisierter Stammumfang (also in 1 m Höhe) im März 2003: 9,65 m.

- Foto - << (Foto: privat, März 2003)

Mit seinem Stammumfang von 9,65 m (am Boden weit über 16 m) sieht der Baum um einiges älter aus, als er ist. Mit einer Höhe von etwa 26 m und seiner weit ausladenden Krone zeigt der Baum , dass er sich über Jahrhunderte als Solitär frei entfalten konnte.

Bereits 1981 zitierte Hartwig Goerss eine kleine Stadtbroschüre (“Unter den Bäumen einer alten Reichsstadt”): ”... wird von keinem anderen Baum im Weichbild der Stadt Goslar an urtümlicher Kraft und adeliger Schönheit übertroffen.”*() Die maroden Stammhöhlungen wurden ausgeraspelt und zum weiteren Schutz gegen Pilzbefall imprägniert. Gewindestangen wurden durch die Hohlräume gezogen und an den Außenseiten verschraubt, so dass die Linde wieder eine ausreichende Stabilität erhält. Dazu tragen auch Verspannungen mit Stahlseilen bei, welche die verschiedenen Stammteile in der Krone gegeneinander halten, damit der alte Riese nicht auseinander bricht. Um die Kräfte zu ermessen, die dort wirken. muss man sich das Gewicht eines jeden einzelnen Hauptastes vorstellen, von dem jeder so dick ist, wie ein ausgewachsener 80-jähriger Baum.

*(Quelle: Hartwig Goerss: Unsere Baumveteranen, Landbuchverlag Hannover, 1981)

Die Stollenlinde soll alten Dokumenten zu folge 1585 gesetzt worden sein, als nach jahrelanger Arbeit am 25.September des selben Jahres ein ungewöhnlich langer Stollen fertiggestellt worden war, ein bedeutendes Ereignis in der damaligen Bergbaukunst.

Goslar verfügt über eine ganze Reihe ehrwürdiger Bäume, die saniert und gut gepflegt werden. An der nordseite der Martinskirche stehen zwei weitere Linden, die noch um einige Jahre älter sind als die Stollenlinde. Als die Ratsherren Grimme und Meyer diese beiden Linden im Jahre 1532 zur Erinnerung an eine für Goslar geschaffene reformatorische Kirchenordnung setzten, erhielten sie die Bezeichnung “Luther-Linden”. Auch diese Bäume wurden durch die Stadt Goslar in vorbildlicher Weise saniert.

Unser Thema: Alte Bäume