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Die 1000-jährige Tanzlinde in Schenklengsfeld

Im Spätsommer erscheint dieser Lindenveteran dem Betrachter als Blätterberg, der sich weit über ein Balkenwerk erhebt. Dieser Anblick strahlt keineswegs das aus, was diesen uralten Baum zu etwas ganz besonderem macht. Erst ein Blick unter das Blätterdach offenbart, dass dort, wo einst ein mächtiger Stamm eine gewaltige Krone trug nur gähnende Leere herrscht.

Foto 005801: archivberlin / Efferer, September 2003 >>

An den Eckpunkten eines freien Platzes, auf dem man gut einen Kaffeetisch für mehrere Personen herrichten könnte, scheinen vier alte Linden zu wachsen, deren zwei bis drei Jahrhunderte alte Hauptäste von einem Gerüst getragen werden müssen. Kaum zu glauben, dass diese vier Stämme sich durch ihr Wachstum vom Zentralraum entfernt haben. Und auch der Gedanke daran, dass alle Teile einmal in einem ganzheitlichen Stamm verbunden waren, erscheint unwirklich. Und doch soll es so gewesen sein.

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<< Foto 005802: archivberlin / Efferer, September 2003

Mächtige Stammfragmente,
die teilweise umschlungen wie hier
weiter wachsen.

Bei diesen Gedanken wird deutlicher, was ein Jahrtausend doch für eine lange Zeitspanne ist, in der das beharrliche Wachsen und Vergehen solche Veränderungen bewirkt. Hartwig Goerss hat uns den Umfang aus dem Jahr 1978 mit 17,40 m angegeben - gemessen in 50 cm Höhe, weil es anders gar nicht möglich war. Bis heute hat sich daran nichts verändert.

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Foto 005803: archivberlin / Efferer, September 2003 >>

Die vereinzelten Teile entspringen dem
selben Wurzelsystem. Nieman kann heute sagen,
vor wie vielen Jahrhunderten ihr Holz den Kontakt mit
dem einst massiven Stamm verloren hat.

Die Linde soll im Jahre 760 mit dem Bau einer Kapelle zu Ehren des Ritters St. Georg gepflanzt worden sein. Einer Sage nach soll der mächtige Stamm durch einen Blitzschlag in vier Teile zerborsten sein, aber das klingt doch eher nach nett erzählbarer Dichtung. Die Linde soll mit eingelegten Balken und Dielen als Tanzlinde gedient haben, als der Stamm noch vollständiger war.
Beurkundet ist, dass unter dem Baum nicht nur Gericht gehalten wurde, sondern auch ein Pranger für den Strafvollzug aufgebaut war (Akten aus dem 17. Jahrhundert im Archiv Marburg).

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<< Foto 005804: archivberlin / Efferer, September 2003

Der Platz zwischen den Fragmenten ist
von beachtlicher Größe.

Ob der Baum (wie bei anderen Tanzlinden beurkundet) seinen Form mit den waagerecht nach außen verlaufenden Hauptästen ursprünglich für die Bastgewinnung erhalten hat, ist nicht nachweisbar. 1976 wurde die Linde für 11.000 DM von dem bekannten Baumchiruren Maurer saniert. Bis heute scheinen die vier Fragmente aus einem Wurzelstock sich bester Gesundheit zu erfreuen, so dass auch das im Zweijahres-Rhythmus stattfindende Lindenblütenfest weiterhin um sie herum stattfinden kann.

Wer Schenklengsfeld in Hessen sucht, der wird südlich der Bundesstraße 62 fündig, die von Bad Hersfeld nach Osten Richtung Friedewald führt.