
Foto: privat >>
Die alte Effe im Jahr 1904
Eine schwarz/weiß Kopie im Schaukasten
am ehemaligen Standort
Die 1000-jährige Schimsheimer Effe lebt nicht mehr!
Was in Rheinhessen Effe heißt, wird in anderen deutschen Landen Ulme oder Rüster genannt. In Schimsheim (heute Armsheim OT Schimsheim) stand ein bemerkenswertes Exemplar dieser Art. Bereits 1904 wurde die Schimsheimer Effe als die vermutlich stärkste Ulme Deutschlands gefeiert. Sie hatte eine Höhe von 15 m. Damals wurde der Umfang einen Meter über dem Boden mit 15,30 Meter angegeben. Die reproduzierte Kopie rechts zeigt den Baum in seiner ganzen Stattlichkeit im Jahre 1904.
Der Ulmensplintkäfer soll auch dieser Ulme -wie so vielen anderen auch- den Garaus gemacht haben. Ihr Leiden erstreckte sich über viele Jahre. Bereits in den 1960er Jahren war von dem einstigen Gipfel nichts mehr zu sehen. 1968 beschloss die Gemeinde, in den hohlen Innenraum eine Linde zu pflanzen, damit über dem Ruinenstumpf wieder mehr grün zu sehen sei. Dies war damals sicher bereits ein Akt der Verzweifelung, denn der Austrieb der Effe wurde von Jahr zu Jahr spärlicher.
Foto: privat, Hartwig Goerss, 1978 >>
Quelle : Goerss, Hartwig: "Unsere Baumveteranen",
erschienen 1981 im Landbuchverlag
Ein Jahr, nachdem dieses Foto
aufgenommen wurde trieb die Ulme zum letzten Mal aus.
Die letzten Triebe waren 1979 zu sehen. In der Folgezeit wurde viel über das tote Gebirge der Effe diskutiert, bis sich die Mehrheitsmeinung “Schandfleck” durchsetzte und die Überreste 1997 entfernt wurden.
Bereits früher hatte man der Ulme stark zugesetzt, als man in gutem Glauben Hohlräume mit Lochsteinen zumauerte, auf dem Foto von Hartwig Goerss von 1978 in der Mitte zu erkennen. Mauersteine und Mörtel sind das denkbar schlechteste Mittel, um einen Baumveteran zu sanieren, weil stets Fugen und Spalten bleiben, in denen sich Feuchtigkeit hät und Schädlinge ein willkommenes Zuhause entdecken.
Wesentlich besser ist gerade ein offener, gut durchlüfteter Raum, damit die Feuchtigkeit verdampfen kann. Dies ist auch der Grund, warum altes, totes Holz herausgeschnitten werden sollte, denn Pilzbefall und Vertorfung wirken wie ein Schwamm, wenn das Holz erst einmal aufgeschlossen ist. Es ist der normale Weg, auf dem aus dem organischen Material neuer Humus gebildet wird.
Foto 001201: archivberlin / Efferer, April 2003 >>
Eingefercht zwischen Mauerwerk
und in bendenklichem Zustand.
Um jeden verlorenen Baumveteranen ist es schade. In Schimsheim steht im Nordosten des Ortes eine alte Robinie, auch Scheinakazie genannt. Alte Robinien findet man nicht allzu häufig, ihr sprödes Holz hat nur mäßiges Dickenwachstum. Diese hat einen Umfang von 4,40 m, ihr Alter dürfte damit bei 300 bis 350 Jahren liegen.
<< Foto: privat>
Von der anderen Seite sieht man,
wie die Hauptäste auseinander
zu fallen drohen.
Die Robinie droht schon lange auseinander zu brechen. Um den schräg stehenden Stamm zu entlasten, hat man sie in 12 m Höhe gekappt. Leider hat man auch hier die selben Fehler begangen, wie einstmals bei der alten Effe, denn der einseitig hohle Stamm wurde ausbetoniert. Mehrere Stahlseile versuchen die starken Äste in unterschiedlicher Höhe zusammenzuhalten, was an einen Reisigbesen erinnert. Dies kann nur als ein Notbehelf gesehen werden.
Foto 001205: archivberlin / Efferer, April 2003 >>
Das, was am linken Bildrand wie Kuchenteig
ausieht, ist leider Beton, eine mehr als
zweifelhafte Methode, hohle Bäume
zu stabilisieren. Es ist fraglich,
wie lange die alte Robinie damit
überleben kann.
<< Foto 001203: archivberlin / Efferer, April 2003
Der "Beton-Inlay" muss eine Tonne wiegen
und sein Gewicht dürfte die
Äste zusätzlich belasten, die ohnehin
auseinander zu brechen drohen ...
Foto 001204: archivberlin / Efferer, April 2003 >>
Alles in allem sieht das gute Stück bemitleidenswert aus. Ein Baumchirurg könnte möglicherweise noch etwas retten. Aber die Kosten dafür sind erheblich. Und wahrscheinlich ahnen nur wenige Menschen, dass diese Robinie schon etwas besonderes ist, denn gegen die ehemaligen Ausmaße der 1000-jährige Effe verblasst die Robinie natürlich.