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Die 1000-jährige Gerichtslinde in Pöhlde

“Unter dieser 1000-jährigen Gerichtslinde fiel am Michaelistage 1048 der Bilburg Graf Thietmar im Zweikampf in einem Gottesurteil / Anno 1952”, so kündet eine verzierte Tafel an einem wirklich mächtigen Stamm. Es ist eine Linde, die ich mir viel höher vorgestellt hatte, denn von 1981 (oder Jahre früher) zeugt ein Foto von einem Baumgreis, der zu diesem Zeitpunkt mit einer Höhe von 22 m beschrieben wurde. Die Ruine vor mir -im März 2003- bringt es mit seinen frisch und sehr gesund aussehenden Trieben gerade mal auf sieben bis acht Meter.
Einheimische erzählen mir, dass in den 80er und 90er Jahren Frühjahrsstürme die alten Äste, jeder so dick wie ein gestandener Baum, einen um den anderen zu Boden brechen ließen, so dass man gezwungen war, die restlichen zu entfernen. Aber die Neutriebe, die schon seit acht oder neun Jahren eine kleine, neue Krone bilden, sehen um so robuster und kerngesund aus. Auch die Knospen der frischen Triebe lassen auf ein weiteres, langes Leben hoffen.

Foto 000201: archivberlin / Efferer, März 2003 >>


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<< Foto 000203: archivberlin / Efferer, März 2003


Die Voraussetzung dafür sind gegeben: ein weiträumiger, durch einen Zaun abgegrenzter Standort, eine vorbildliche baumchirurgische Versorgung und ein trotz all der ausgefaulten Höhlungen doch sehr gesunder Stamm. Die Erde um den Baum scheint locker und luftig für viele weitere Jahrzehnte zu sein, und die Stadtgemeinschaft sagt zu, diesen Raum nicht zu bebauen.

Wenn im Jahr 1048 hier ein Duell als Gottesurteil unter der Gerichtslinde angesehen wurde, so war dies zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit kein Jungbaum mehr, so schießt es mir durch den Kopf. Der Baum wird schon damals mächtig gewesen sein und hatte vielleicht schon einhundert bis zweihundert Jahresringe auf der Lebensuhr. Das wahre Alter dieser Linde, soviel ist sicher, überschreitet die 1000er Grenze um einiges.
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Foto: privat >>
Von der Nordseite sieht der Stamm oben richtig offen aus. Jede Seite hat bei diesem Prachtexemplar ihren Reiz.

Wir messen den Umfang standardisiert ein Meter über dem Boden: 9,05 m. Baumfreund Hartwig Goerss hatte irgendwann vor 1981 in Brusthöhe 8,40 m gemessen. Wir messen erneut, es bleibt dabei: neun Meter und fünf Zentimeter.

Von Hartwig Goerss wissen wir auch, dass diese Linde in vorgen Jahrhunderten als “Tanzlinde” herhalten musste, wozu ein Holzgerüst das Wachstum ihrer Krone beeinträchtigte. Im 19. Jahrhundert wurde dieses Gerüst allerdings endgültig entfernt und neue, starke Äste konnten sich frei entfalten. Diese Äste -inzwischen imposant herangewachsen, haben nun den jüngeren Stürmen nicht mehr standgehalten.

Wir erleben daher, wie der Baum einen neuen Anlauf zu einem weiteren Etappensieg seines Lebens unternimmt und können uns auf weiteres Wachstum freuen.
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<< Foto 000202: archivberlin / Efferer, März 2003
Eine Person dezent neben dem Stamm ist als Größenvergleich stets willkommen. Die Schutzgitter vor den Hohlräumen sollen Tieren den Zugang verwehren und so den Baum zusätzlich schützen.

Der Baum ist aber nicht nur eine Besonderheit, was sein Alter angeht. Die noch jungen Äste stehen an zwei Seiten wie Haarbüschel auf einem Kopf, und wirklich: von der Ostseite aus betrachtet, zeigt der mächtige Stamm sich selbst als Kopf, vielleicht einem Primaten ähnlich. Die Schutzgitter vor den Hohlräumen jedenfalls wirken wie übergroße Augen, und Verwachsungen am Stamm bilden unzweifelhaft eine Knollennase ab.

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<< Foto 000205: archivberlin / Efferer, März 2003
Sehen Sie das "Ohr"? Wie der Zufall es so will, sitzt es sogar fast an der richtigen Stelle ...

Wer sich das Foto aus der Südrichtung anschaut, der bemerkt dazu Verwachsungen an Wundrändern die wie ein dazu passendes Ohr aussehen. Unglaublich fast, welche Zufallsmuster die Natur so ausbildet! Herrlich, dass es solche Naturschauspiele gibt. Hoffen wir, dass sie der Menschheit lange erhalten bleiben.
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<< Foto 000206: archivberlin / Efferer, März 2003
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Der Baum von Westen her gesehen...


Foto 000207: archivberlin / Efferer, März 2003 >>


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<< Foto 000208: archivberlin / Efferer, März 2003

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<< Foto 000209: archivberlin / Efferer, März 2003
Die gesunden Überwallungen und die neu gebildeten Äste am rechten Bildrand kennzeichnen die intakten Leitbahnen der Linde. So kann sie uns noch lange erhalten bleiben und wird uns sehr wahrscheinlich überleben, die Gerichtslinde in Pöhlde.

Unser Thema: Alte Bäume