
Die Kaiser-Lothar-Linde in Königslutter
Auch wenn jeder einzelne Baumveteran auf eine individuelle Art den Betrachter anspricht, so ist die alte Linde auf dem Gelände des Niedersächsischen Landeskrankenhauses in Königslutter doch etwas Besonderes unter dem Besonderen. Während bei etlichen Veteranen zwei Fotos zur Vorstellung ausreichen, provoziert die Kaiser-Lothar-Linde eine Handvoll - mindestens!
Foto 002901: archivberlin / Efferer, Juni 2003 >>
Die Struktur ihres Wuchses, die Wülste, Wölbungen und Höhlungen geben mit jedem Schritt seitwärts neue Perspektiven und neue Eindrücke frei. Sie animieren den Fotografen ein ums andere Mal den Feuerknopf zu drücken. Der Stamm bietet aus jeder Himmelsrichtung ganz unterschiedliche Merkmale. Dadurch gehört diese Linde zu den interessantesten unter den Baumveteranen.
<< Foto 002902: archivberlin / Efferer, März 2003
Das Bandmaß zeigt 12,60 m an - natürlich
unterhalb der linken Hauptäste. Knapp über
dem Erdboden sind es 15,80 m.
Foto 002907: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Der Stamm von der Ostseite her gesehen.
Kaiser Lothar und seine Gemahlin Richenza, die Großeltern Heinrich des Löwen, sollen im Jahre 1135 bei dem Bau der Stiftskirche -heute Dom genannt- diese Linde gesetzt haben. Danach beträgt ihr Alter derzeit 870 Jahre und sie hat das Mittelalter und die Gotik, die Reformation und die Renaissance, Absolutismus, Barock und Klassizismus gesehen, hat die Romantik und den Historismus, die Aufklärung, die Moderne und Postmoderne überdauert. Was für ein Zeitzeugnis über viele Epochen hinweg!
<< Foto 002908: archivberlin / Efferer, März 2003
Von Norden her fallen die verwachsenen Wurzelanläufe und ein ovales "Fenster" ins Innere der Linde auf. Der halb eingewachsene Stein darunter könnte vor längerer Zeit in dem Hohlraum platziert worden sein, um Tieren den Zugang ins Innere zu versperren.
Wie stellt sie sich uns heute dar? Auch wenn Hartwig Goers 1981 schrieb ”... der Stamm scheint noch gesund und fest zu sein” *(), so genügt heute ein kurzer Blick durch die Schutzgitter der offenen Teile, um quer durch den Stamm hindurch zu blicken. Mehr noch zeigt sich im Innern ein Hohlraum, in dem eine Telefonzelle bequem Platz hätte. Nach oben hin verjüngt sich die Höhlung zu einem “Kamin”. So jedenfalls nennt man ähnliche Höhlungen im Felsgestein.
*(Goers, Hartwig: Unsere Baumveteranen, 1981, Landbuchverlag, Hannover)
Foto 002905: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Der Austritt des "Kamins"
Dieser “Kamin” ist gleichzeitig der Innenbereich der östlichen Hauptachse (auf dem Foto 002903 rechts). Und durch den dortigen Austritt, etwa 50 oder 60 cm breit, kann man von unten das Blau desHimmels bewundern. Der ganze Baum besteht also, wie bei so alten Linden eigentlich immer festzustellen, aus einer Hülle, die dennoch sehr stabil ist.
<< Foto 002904: archivberlin / Efferer, März 2003
Eine tragende "Säule" inmitten der Höhlung.
Unten ist eine Stahlstütze zu sehen.
Wir haben sehr interessante Bilder des Innenbereiches zu bieten. Die Farbigkeit und die Verwachsungen sind imposant. Inmitten der Höhlung scheint eine Säule für zusätzlichen Halt zu sorgen, die sich bei näherer Betrachtung als sehr alte Luftwurzel entpuppt und ihrerseits schon wieder an Altersschwäche leidet. Sie ist im Holz angegriffen. Auf dem Foto rechts ist zu sehen, dass eine Stahlstütze bei Sanierungsarbeiten eingebaut wurde.
Foto 002909: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Die Stahlstütze an der Westseite.
Ein mächtiger Ast an der Westseite wird bereits seit fast dreißig Jahren von einer Stahlstütze getragen - siehe Foto. Ohne diese “Standhilfe” wäre dieser Teil längst ausgebrochen und die mächtige Krone hätte einen bedeutenden Teil verloren.
<< Foto 002906: archivberlin / Efferer, März 2003
Ein Blick von unten hinauf in die Höhlung,
die wir mit "Kamin" bezeichnet haben.
Es versteht sich von selbst, dass hier
ungehindert Regenwasser einfließt. Die
Farbschattierungen der Verwachsungen faszinieren.
Foto 002903: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Hier kann man quer durch den Stamm hindurch schauen ...

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<< Foto 002951: archivberlin / Efferer, März 2003
Der Dom und ein Wasserfall im Klsotergarten
Foto 002952: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Jedem Touristen, der auch nur in die Nähe Königlutters kommt ist anzuraten, diese Eindrücke nicht zu versäumen. Dabei lädt auch der wenige Schritte entfernte Dom ein, wie auch der umliegende Park mit mehreren Quellen und “niveauvollen” Wasserläufen, die durch ein herrlich angelegtes Tal führen.