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Die "Kunigundenlinde" bei Kasberg ...

... sieht heute gar nicht mehr so gut aus! Der Baum war einst einer der rustikalsten, urwüchsigsten in Deutschland und zierte auch das Cover des Buches "Unsere Baumveteranen"*(). In den letzten zwanzig Jahrn hat sich leider auch hier viel negatives ereignet, der rasante Verfall ist nicht zu übersehen.

Foto, privat: Hartwig Goerss >>
*(aus "Goerss, Hartwig: Unsere Baumveteranen", 1981
mit freundlicher Genehmigung des Landbuchverlages, Hannover
und Herrn Hartwig Goerss jun.)

Heute fehlt der Teil rechts oben und von den unteren Stammfragmenten (Die "Wurzel-Stelzen") sind nur noch mit etwa zwei Dritteln erhalten. Der jetzige Umfang des Stammfragmentes (Sept. 2003) beträgt nur noch 7,10 m.

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<< Foto 004103: archivberlin / Efferer, September 2003

Die Aufnahme aus der Gegenrichtung zeigt,
dass eigentlich nur noch ein Hauptast
existiert, der ohne die Stützen
schon lange weggebrochen wäre.

Wir dürfen ein Zitat von Hartwig Goers aus der Chronik von Kasberg von 1920 weitergeben *():
“Kunigundenlinde wird der Baum genannt, weil er der Sage nach von der heiligen Kunigunda gepflanzt sein soll. Jedenfalls hat dieser rund 1000 Jahre alte Baum zur Zeit der genannten Heiligen - ihr Gemahl Heinrich II. Regierte 1001 - 1024 - bereits bestanden, und es ist anzunehmen, dass die Linde schon vor dem 14. Jahrhundert ein bemerkenswerter Baum war, als um 1360 der Sulzbacher Landrichter Volkert von Taun Gerichtstage abhielt. Dr Baum ist eine Stein- oder Winterlinde und treibt trotz seines hohen Alters, weil auf gutem, wenn auch steinigem Boden ds weißen Jura, noch kräftige Zweige und Blätter.. Deswgen, dann nah der im Sommer 1913 aus Mitteln des Kreises Oberfranken und der Ortsgemeinde Kasber (rund 3700 Mark) ausgeführten und gründlichen Hohlraumbehanlung, Aststützung und Einzäunung, läßt sich für die Kasberger Linde erhoffen, dass sie in Sturm und Wetter auch fernerhin manches Menschnalter überdauern kann.”

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Foto 004102: archivberlin / Efferer, September 2003 >>

Eine fast gespenstisch wirkende
Gegenlichtaufnahme aus der Nordrichtung
unterstreicht den unheimlichen Habitus
des ehrwürdigen Baumes.

Das hat sie derweil schon geschafft, und es bleibt zu hoffen, dass sie auch weiterhin erneut Triebe ansetzen kann, die ihr Fortbestehen sichern können. Auch wenn es schade ist um vorangegangene Kronenbilder, die nun für immer dahin sind, so ist es bei so alten Bäumen doch ganz natürlich, dass sich das Kronenbild immer häufiger und teilweise drastisch wandelt.

Zum Glück verfügen wir heute ja über die Fotografie, die uns wenigstens die Ansichten virtuell erhalten kann. Ein Grund für www.altebaeume.de, die Erinnerung auch an dahingeschiedene Baumveterane wach zu halten.

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<< Foto 004104: archivberlin / Efferer, September 2003

Ein Blick von der Südseite her
in den hohlen Stamm - oder was
davon übrig geblieben ist.

Goerss zitiert auch August Sieghardt (1970) *(): “Der in vier Teile zerrissene Stamm hat einen Umfang von nicht weniger als 16 Meter, ist innen ganz hohl, trägt aber eine mächtig Krone, die alle Jahre frische Zweige hervorsprießen läßt. Die Höhlung des Stammes ist so groß, dass sich darin ein Reiter mit seinem Pferd leicht umdrehen kann. In dieser Hinsicht gleicht die Kasberger Kunigundenlinde der berühmten Linde zu Staffelstein, von der es heißt, dass sie der älteste Baum Deutschlands sei.
Die innere Weite der Kasbrger Linde beträgt drei Meter, der mittlere Durchmesser viereinhalb Meter, der Hohlraum von einer Wand zur anderen ebenfalls drei Meter. Die Krone hat einen Durchmesser von zwanzig Meter und steigt bis zu einer Höhe von zwölf Meter empor.
Diese Kunigundenlinde hat auch eine historische Bedeutung [...] Seit im Jahre 1796 die Franzosen unter ihrem geschlagenen General Jourdan durch Kasberg gezogen waren, wurde die Linde auch Franzosenlinde genannt. Man erzählte sich, dass die französischen Soldaten auf die Linde geschossen haben, ein französischer Oberst habe es ihnen aber verboten, sei mit seinem Pferd in die Linde hineingeritten und habe darin sein Pferd gewendet. Ein Jahr vorher lagerten unter der Linde ungarische Soldaten; ein Husar soll sich samt seinem Roß in der Linde so geschickt versteckt haben, dass man ihn nicht fand.
Als im Jahre 1806 abermals Franzosen durch Kasberg zogen, steckten Soldaten die Linde in Brand; zum Glück wurde der Baum nicht völlig vernichtet.
An Festtagen kam es früher oft vor, dass die Kasberger Einwohnerschaft in der Linde getanzt hat, wobei sich sechs Paare ungehindert in ihrem Hohlraum drehen konnten.”

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Foto 004105: archivberlin / Efferer, September 2003 >>

An der Westseite des alten Stammes
haben sich junge Misteln eingenistet.
An über dreißig Stellen
erscheinen die kleinen Schmarotzer in
der Rinde - zum greifen nahe.

In der gleichen Schrift findet sich auch ein Notruf zur Rettung der Linde. Hier heißt es u.a.: “Sturm und Wetter haben dem Baum schwer zugesetzt, besonders aber die Unvernunft der Menschen. Ehrfurchtsvoll stehen wir vor dem alten Recken, der bis jetzt alle Unbilden überwand, nun abr dringend unserer Hilfe bedarf. Noch ist er zu retten.
Der Baumdoktor Michael Maurer, Röthenbach/Pegnitz bei Nürnberg, hat Vorschläge zu seiner Erhaltung gemacht. Ist denn im Lande des Wirtschaftswunders niemand da, der helfen könnte? Einige tausend Mark werden nötig sein. Gez. K.Kronenberger.”

1976 wurde die Linde dann tatsächlich fachgerecht saniert, was runde 28.000 DM kostete.

Unser Thema: Alte Bäume