
Foto 002201: archivberlin / Efferer, Juni 2003 >>
Der Riese von Ivenack
Eine Menschentraube, bis vor wenigen Minuten noch in einen Reisebus geklemmt, quetscht sich durch das antike Drehkreuz aus Eichenholz. Wenn man einen ungünstige Zeitpunkt erwischt um den auralten Riesen von Ivenack zu besuchen, dann kann es schon passieren, dass man unversehens in eine Kaffeefahrt gerät, die diesen bekannten Baumveteran zum Ziel erkoren hat.
So rustikal und mittelalterlich wie das Drehkreuz am Eingang, so wirkt die gesamte Parkanlage. Es ist genau das richtige Ambiente für sechs Eichenveteranen, von denen der bekannteste in der letzten Zeit in den Printmedien als die vermutlich älteste Eiche Europas gewürdigt wurde. Sie soll rund 1200 Jahre alt sein, was völlig im Einklang steht mit dem gemessenen Umfang des Stammes. Die Vorstellung, dass dieser Baum bereits zwischen 400 und 500 Jahresringe zählte, als die Nonnen des nahe gelegenen Klosters anno 1250 unter seiner mächtigen Krone Schatten gesucht hatten, unterstreicht die Bedeutung dieser Zeitdimension.
In der Tat beeindruckt “der uralte Riese von Ivenack” mehr, als es nach Pressefotos zu vermuten war. Ein Stammumfang in einem Meter Höhe von 12 m für sich ist schon beeindruckend, aber mit einer Höhe von 35,50 m (nach offiziellen Angaben) wird er zu einer gigantischen Säule, vor der sich jeder Besucher einfach winzig vorkommen muss!Viele Kirchtürme erreichen eine solche Höhe nicht.
20 cm über dem Boden gemessen kommen 17,70 m zusammen, wenn die Wurzelanläufe mit einbezogen sind. Das ist dann ein Durchmesser von rund 5,60 m. Ein Schild verrät dem Besucher, dass das Holz des Baumes 180 Festmeter beträgt; 180 Würfel mit einer Kantenlänge von 1 m über und nebeneinander gestapelt.
<< Foto 002202: archivberlin / Efferer, Juni 2003
Ein Stammumfang in einem Meter Höhe von 12 m,
das ist immerhin ein Durchmesser von knapp 4 m!
Knapp über dem Boden sind es 17,70 m, ein Durchmesser von über 5 m;
stellen Sie sich diesen Stamm doch einmal in Ihrem Wohnzimmer vor!
Viel Platz dürfte Ihnen dann nicht mehr bleiben.
Außer dem uralten Riesen stehen fünf weitere, noch lebende Eichen in diesem Park bei Ivenack. Sie sind mit 600 bis 800 Jahren nicht annähernd so alt wie der alte Riese. Und sie sind in weiten Teilen abgestorben. Es ist zu befürchten, dass nicht mehr allzu viele Generationen grüne Blätter an Ihnen beobachten können.
<< Foto 002204: archivberlin / Efferer, Juni 2003
Foto 002205: archivberlin / Efferer, Juni 2003 >>
Leicht einzusehen, warum dieser Baum
"Knusteiche" genannt wird.
Im unteren Stammbereich ist eine große
verwachsene Stelle zu sehen, die in
norddeutschem Platt "Knust" (Kanten, Gnubbel) heißt.
Umfang: 8,80 m, Höhe: 31 m
Bei den beiden Eichen direkt hinter dem Eingang und dem Baum, der weiter im Westen mit “Pferdekopfeiche” beschrieben wird, lebt nur noch ein Viertel des Holzes.
Wesentlich vitaler sieht die Knusteiche (so genannt auf einem dazu gehörigen Schild) gegenüber dem Informationspavillon. Auf unserem Foto sieht dieser Baum komplett tot aus, der lebenden und belaubte Hauptsast liegt genau hinter den sichtbaren, abgestorbenen Ästen.
<< Foto 002206: archivberlin / Efferer, Juni 2003
Ein herrlicher Blick in die schmale
Krone der Knusteiche.
Sie dürfte die besten Überlebenschancen
von den hier stehenden Veteranen haben.
Foto 002203: archivberlin / Efferer, Juni 2003 >>
Die "Pferdekopfeiche".
Der noch lebende Hauptast liegt
von hier aus hesehen hinter
dem toten Holz.
Umfang: 8,60 m, Höhe: 22 m