Der mutmaßliche Eichen-Drilling im Grünhofer Gehölz
Wenige Schritte vom Nordufer der Elbe zwischen Lauenburg und Geesthacht steht ein bemerkenswertes Exemplar von Eiche. Das Grünhofer Gehölz östlich von Grünhof-Tesperhude beschreibt den Standort noch etwas genauer. Wer dort den Elbe-Wanderweg benutzt kann diese Eiche nicht verpassen. Sie springt mit ihrem Stammumfang von 6,10 m ins Auge, denn weit und breit gibt es keinen vergleichbaren Baum in der Gegend. (20 cm über dem Boden sind es übrigens 7,20 m.)
Foto 003701: archivberlin / Efferer, Juni 2003 >>
Nach diesem Umfang würde die Efferer-Tabelle (siehe Abschnitt “Alterung von Gehölzen”) ein Baumalter von etwa 650 Jahren nahe legen. Allerdings trifft die Tabelle selbst keine Altersaussage. Vielmehr ist sie ein Arbeitsmittel, das interpretiert werden muss. Dazu gehört, dass bei einer Schätzung auf dieser Basis stets auf Umstände geachtet werden muss, die Einfluss auf das Wachstum gehabt haben können.

<< Foto 003702: archivberlin / Efferer, Juli 2003
Die Südseite ist die Schokoladenseite der Eiche.
Der linke Teil sollte etwa 300 Jahre unter der Rinde haben.
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Foto 003703: archivberlin / Efferer, Juli 2003 >>
Diese Quetschnarbe an der Westseite zeigt
eindeutig zusammengewachsene
Stämme.
Bei diesem Baum sind es aufgewölbte Vernarbungen an der Westseite des Stammes, die zur Vorsicht mahnen. Eine Naht, die indiziert, dass hier zwei Stämme zusammen gewachsen sein könnten, lässt uns nach ähnlichen Anzeichen an den anderen Seiten des Baumes suchen. Allerdings zeigen sich bei trockenem Wetter solche Narben weder an der Süd- noch an der Nordseite. Bei Regenwetter färbt das herablaufende Wasser den Moosbelag dunkel und täuscht eine Vernarbung vor. Und dennoch entspricht die gesamte Optik dem Eindruck, als wären hier drei Stämme zusammen gewachsen.
<< Foto 003704: archivberlin / Efferer, Juli 2003
Blick von Nordost: Die Feuchtigkeit im Moos täuscht etwa.
Bei trockenem Wetter ist hier keine Vernarbung zu sehen.
Entweder ist in der Mitte einmal ein Hauptsast ausgebrochen,
oder hier sind (was wahrscheinlicher ist)
zwei Stämme zusammen gewachsen.
Sie müssen sehr eng beieinander gestanden haben, so dass ein Zusammenwachsen schon frühzeitig erfolgte. Wenn zwei Stämme mit ihrem Dickenwachstum aufeinander zu streben, so halbiert sich zwar der Zeitraum, bis sie sich berühren, aber das Außenmaß um beide Stämme bleibt davon unberührt.
Foto: privat >>
Nur wenige Meter trennen den Baum vom
nördlichen Elbufer. Leider sind viele der
unteren Äste abgestorben, was sicher
am Lichtmangel durch die dicht
stehenden Bäume der Umgebung liegt.
Gesetzt den Fall, dass wir drei verschiedene Stämme vor uns haben, so dürfte der nördlichste von ihnen mit etwa 300 Jahren auch der älteste sein. Wir sollten diesem Drilling daher diese 300 Jahre zuschreiben und uns an seiner eindrucksvollen Gestalt erfreuen.