
Die alte "Keschte" von Dannenfels
“Keschte” ist eine typisch mundartliche Bezeichnung in Rheinland-Pfalz für die Marone, auch Eßkastanie genannt. Dieser Baum mit dem botanischen Namen “Castanea sativa” soll von einem begüterten Ministerialgeschlecht, den Bolandern, angesiedelt worden sein, nachdem sie die essbare Frucht als Teilnehmer an Kreuzzügen im Mittelmeerraum kennengelernt hatten.
Foto 001301: archivberlin / Efferer, April 2003 >>
Am Donnersberg, an dessen Hang auch der Ort Dannenfels zu finden ist, gibt es viele dieser Edelkastanien. Das wahrscheinlich älteste Exemplar findet sich in Dannenfels selbst am Rande der Durchgangsstraße. “Am Rande” ist deutlich untertrieben, denn der mächtige Stamm ragt zu einem Viertel in die Fahrbahn hinein. In jüngerer Zeit hat ein Fahrzeug den den einzig noch lebenden Teil schwer beschädigt, so dass ein Warnschild direkt vor dem Baum aufgestellt wurde. Man kann nur hoffen, dass es hilft, denn eine weitere derart hefitige Verletzung dürfte die Kastanie schwerlich überstehen.
<< Foto 001302: archivberlin / Efferer, April 2003
Eisenketten halten die schon lange
abgestorbenen Teile zusammen.
Problematisch ist die Auflage der Ketten
auf dem einzigen noch lebenden Strang.
Es wäre sehr schade um dieses mächtige Relikt aus längst vergangener Zeit. Der Stammumfang beträgt (wie auch schon 1984; Hartwig Goerss) 9,40 m. Auf den Fotos hier ist die abgeschälte Rinde und die Wundversorgung dokumentiert.
Foto 001303: archivberlin / Efferer, April 2003 >>
Die etwa 30 cm links neben dem
Wasserschild, das ist der geringe Teil,
der noch intakt ist. Der helle Fleck
über dem Schild ist abgeblätterte Rinde.
Auch hier stirbt der Baum einen langsamen Tod.
Darunter ein breiter entrindeter Streifen,
mit Wundverschluss bestrichen. Die Verletzung
sieht bedenklich aus.
Die Dannenfelser sind stolz auf ihre “alte Keschte” und heben den Baum zu Recht in touristischen Informationen hervor. Die Altersschätzung wird seit einigen Dezennien mit 650 Jahren angegeben, und dies wurde bisher nicht revidiert. Dieses Alter ist als Minimum zu sehen und durchaus glaubhaft. Der Baqum könnte so langsam auf die 700er Grenze zugehen. Der Stamm ist bis auf einen rund 30 cm starken Seitentrieb abgestorben. Er ist schon lange entrindet.
<< Foto 001304: archivberlin / Efferer, April 2003
Ein PKW ist an dieser Stelle vor einiger
Zeit gegen den Baum gefahren.
Darauf hin wurde das Warnschild aufgestellt.
Bereits das nächste gestrandete Fahrzeug könnte
der Kastanie das endgültige Aus bringen.
Foto 001305: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Noch grünt die kleine Krone ...
<< Foto 001306: archivberlin / Efferer, April 2003
Hier sieht man, wie auch der noch lebende
Teil des Baumes bereits an seinen Vorgänger
gefesselt ist. Auch dieser ist schon lange abgestorben.
Es ist schwierig, die Kastanie an diesem
ungünstigen Standort zu erhalten.
Ein vorüber fahrender Tourist sieht die Kastanie als mächtigen Block, der Stamm so breit wie hoch. Dabei besitzt der Baum ein “Unterteil”, das erst zu sehen ist, wenn man die Straße verlassen hat und den Hang abwärts klettert. Unterhalb der Straßenbefestigung, eine massive Mauer, zeigt sich interessantes, wenn auch abgestorbenes und totes Holz.
Foto 001307: archivberlin / Efferer, April 2003 >>
Kaum ein Durchreisender ahnt, dass die
alte "Keschte"soetwas wie ein Unterteil hat.
Sie steht ja direkt an der Straße,
die hier an einem Hang liegt und gegen
Abrutschen mit einer massiven Mauer
geschützt wird.
<< Foto 001308: archivberlin / Efferer, April 2003
Nur wenn man den Hang hinunter geklettert ist,
geraten diese interessanten Holzregionen des
gewaltigen Stammes ins Blickfeld.
Im April 2003 zeigte sich trotz der Beschädigung am lebenden Stammteil ei kräftiger, gesunder Austrieb. Die Bürger berichten, dass die Kastanie jedes Jahr Früchte trägt, die gegahrt süßlich, weich und etwas mehlig gern zu jungem Wein gegessen werden. Bleibt zu hoffen, dass uns der Baum noch lange erhalten bleibt und kein LKW ihm den Garaus macht.
Foto: privat >>
Ein Größenvergleich...
Obwohl Sitzbank, Papierkorb
und Straße schon genug
aussagen