Die 1000-jährige Kunigundenlinde bei Burgerroth
Knapp 30 km südlich Würzburg, rund 12 km südwestlich von Gollhofen (ABA der A7) liegt Burgerroth. Der Ort ist von der malerischen Stadt Aub (gut erhaltene Stadtmauer, sieben Türme, sieben Tore) über Baldersheim zu erreichen.
Burgerroth ist eher kleines Dorf in der Kommune Aub, aber weithin bekannt durch die mit Sagen behaftete Kunigundenkapelle. Wunderheilungen und Offenbarungen soll es hier gegeben haben - und Kontakte mit dem Jenseits. Vielleicht ist dies der Grund für ein Schauspiel, dass sich uns unerwartet beim Vermessen des Stammes der alten Linde bietet.

Foto 004301: archivberlin / Efferer, September 2003 >>
Der Stammumfang beträgt aktuell 12,80 m.
Die Höhe: etwa 3,80 m bis zu den Triebspitzen.
Eine junge Frau, die einen Holzstuhl trägt, und ein älterer Herr nähern sich der Südwestwand der Kunigundenkapelle. Der Stuhl wird vor der
so in Stellung gebracht wird, dass der alte Herr sitzend sein Gesicht dieser sonnenbefluteten Wand zuwendet. Er legt Krücke und Armbanduhr ab und beginnt zu meditieren. Wir wissen nicht, ob es sich um ein stilles Gebet handelt, oder eine mystische Kontaktaufnahme mit dem Jenseits versucht wird. Es geht uns auch nichts, wir fragen nicht und suchen still das Weite.
<< Foto 004303: archivberlin / Efferer, September 2003
Ein idealer Platz um mit dem Baum "zu sprechen"
oder zu meditieren ...
Von hier aus kann man den "Innenraum"
gut überblicken.
Im Jahre 1012 gründeten Kaiser Heinrich der II. Und Kaiserin Kunigunde das Bistum Bamberg. Als um 1200 Kunigunde heilig gesprochen wurde, errichtete man ihr zu Ehren bei Burgerroth an einer alten germanischen Kultstätte diese Kunigundenkapelle. Zu diesem Zeitpunkt soll die Linde bereits als mächtiger Baum gestanden haben; man bezog sie beim Bau der Schutzmauer aus Quadersteinen mit ein.
Foto 004302: archivberlin / Efferer, September 2003 >>
Die Hülle verfügt zwischen den Wulsten
der Ränder nur noch über wenige
Zentimeter tragendes Holz. Leider sind erhebliche
Rindenausrisse der letzten "Sanierung" zu sehen.
Wie wir von Hartwig Goerss wissen war diese Linde vor Dezember 1978 noch ein kräftiger Baum mit einem Brusthöhenumfang von 12,30 m. In seinem Buch “Unsere Baumveteranen” beklagt er aufs Heftigste, dass in einer Nacht- und Nebelaktion mit Kettensägen unfachmännisch ein radikaler Rückschnitt getätigt - ohne Wundversorgung und mit Rindenabrissen unter den Schnittstellen.
Im September 2003 finden wir einen Aushang an der Kapelle vor, in dem der Streit um die Linde dargestellt wird. Ein neuer radikaler “Rückschnitt” hat vor einem halben Jahr erst stattgefunden. Gegener gegen die Radikalmethode und Befürworter, welche den Baum (möglicherweise aus Kostengründen) als Kopflinde weiterpflegen wollen, prallen aufeinander. Wir entdecken leider wieder unfachmännische Rindenabrisse unter den frischen Schnittstellen.
Wir wissen nicht, wie voll im Holz die Linde 1978 noch war, im September 2003 jedenfalls ist das Holz unter der Rinde ringsum nur noch wenige Zentimeter dick. Ringsum bedeuet, dass man den Innenraum begehen kann und von einer schmalen, noch lebenden Baumhülle umgeben ist. Aus diesm Kranz biegen sich einzelne Segmente weit nach außen. Klar ist, dass diese dünne Hülle heute keine stärkeren Äste mehr tragen würde. Zu dem Weiterleben als Kopflinde scheint es keine Alternative für den Baum zugeben, außer ...
<< Foto 004304: archivberlin / Efferer, September 2003
Malerische Abendsonne in absoluter Stille
Bei der wahrscheinlich 1200 Jahre alten Linde in Staffelstein (die leider nicht mehr existiert) hatte eine 1924 von Apotheker Schmolz vorgeschlagene Methode das Baumleben um einiges verlängert. Es wurden Jungbäume unter die nicht mehr tragfähigen Äste gepflanzt und die Kambialschichten miteinander verpfropft. Auch wenn jene Linde damit nur weitere 74 Jahre gelebt hat, so ist diese Methode sicher auch heute für einige Bäume sehr interessant, die sich dazu eignen. Natürlich muss man sich klar darüber sein, dass dabei das innere Holz nicht verwächst, sondern nur jene Schichten, die sich in den Jahren nach der Pfropfung bilden. Die notwendigen Zeiträume sind dabei natürlich recht lang, aber dennoch sollte der zunächst parallel verlaufende Ersatz so mancher Stahlstütze langfristig möglich sein.