
Die Gerichtslinde von Bordesholm
Im Nordwesten Bordesholms liegt nahe an einem See inmitten herrlichster Gegend die Kirche mit dem alten Friedhof. Wer vom Stadtkern im Süden kommend auf die Kirche zu fährt kommt an einer Sehenswürdigkeit der Stadt Bordesholm nicht vorbei: die mächtige Sommerlinde. Sie steht auf einem Vorplatz zur Kirche.
Foto 001701: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde unter diesem Baum nach alter Sitte Recht gesprochen. Die Linde scheint schon in den vorigen Jahrhunderten reichlich Platz gehabt zu haben, unbedrängt von konkurrierenden Bäumen, denn sie ist mit ihren rund 20 m nicht besonders hoch. Dafür entwickelte sie die Krone zu der stattlichen Breite von rund 30 m. Die mächtigen Äste müssen heute von Stahlseilen und Ankern gehalten werden, um ein Auseinanderbrechen zu verhindern.
<< Foto 001702: archivberlin / Efferer, März 2003
Der Stamm der Linde ist nicht rund, sondern oval. Die breitere Seite bietet sich für den Größenvergleich an. Der nach links wegstrebende Hauptast wiegt Tonnen, Stahlseile müssen ihn wie auch alle seine "Kollegen" halten.
An dieser Seite sind bereits einige Äste verloren
Die ausladende Krone wurde bereits in einem Buch von 1863 hervorgehoben*(). Diese Linde faszinierte also auch schon viel frühere Generationen.
*(Hartwig Goerss zitiert in “Unsere Baumveteranen”, Landbuchverlag 1981, einen umfangreichen Bericht der “Bordesholmer Rundschau” vom 15.1.1978 über die Linde und das antiquarische “botanische Werk” von E.Mielck: “Die Riesen der Pflanzenwelt”)
Immer wieder attraktiv: ein "Schuss" in die Krone
Foto 001705: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
Eine Tafel von 1873 an der Linde besagt: "Manches sah Dein gewaltiger Dom, hochrauschende Linde, Freud hast Du und Leid manches Geschlechtes getheilt: Gröszeres schautest Du nicht als der Holsten Erhebung, als Deutschland wiedergeboren zum Reich. Künde den Enkeln das Wort; März 24, 1873" - Der vaterländisch geprägte Spruch stammt von Prof. K. Jansen. Die Erhebeung der Holsten spielt auf die Erhebung gegen die Dänen 1848 an.
<< Foto 001706: archivberlin / Efferer, März 2003
Alte Rinde und gekonnte Perspektive ...
Foto 001707: archivberlin / Efferer, März 2003 >>
1332 wurde die Kirche errichtet. Zu jener Zeit war es durchaus üblich, bei einem solchen Anlass eine “Marien-Linde” zu pflanzen. Man geht heute davon aus, dass es sich auch mit diesem Baum so verhält; sein Alter wird offiziell mit 650 Jahren angegeben. Der Brusthöhenumfang wurde 1981 von Hartwig Goerss mit 7,20 m angegeben; wir messen im März 2003 standardisiert einen Meter über dem Boden: 6,40 m ( 20 cm über dem Boden: 7,40 m). Da der Stamm sich nach oben hin verbreitert sind die Angaben stimmig.
Foto: privat >>
Diese im Frühjahr 2003 frisch behandelte Stelle galt den Kernbohrungen, die hier zu sehen sind. Mit den Bohrungen sollen natürlich keine Pilzsporen zusätzlich in das Innere des Baumes eingebracht werden. Also mus zuvor das morsche Holz weggehobelt werden. Mit der Kernbohrung stellt man fest, wie dick das gesunde Holz noch ist und wo die zweifellos vorhandene Höhlung im Stamm beginnt. Jahresringe kann man mit dem entnommenen Bohrkern wohl nur noch ungenügend feststellen.